Zweierlei Maß
Für Hugo Wolf musste ein Gedicht, um zum Lied zu werden, bereits bedeutend sein. Der Komponist vertonte Dichtungen, die erhebliches Eigengewicht mitbringen und die gut auch ohne Musik zurechtkommen. Zum Glück, schrieb der Schriftsteller und Kritiker Hans Weigel, habe Wolf zwar viel, aber nicht zu viel von Lyrik verstanden, denn er habe ja auch Emanuel Geibel und Paul Heyse in Musik gesetzt. «Goethe, Mörike, Eichendorff kann man auch lesen. Das ‹Italienische Liederbuch› und das ‹Spanische Liederbuch› muss man hören.
»
Wenn das Letztere, wie es heißt, der «Tristan» des glühenden Wagnerianers Wolf war, so könnte man das «Italienische Liederbuch» vielleicht das Gegenstück zu «Le nozze di Figaro» nennen. Denn das fiktive Paar, das sich hier in Tändelei, Schwärmerei, Eifersucht und Gezänk ergeht, könnten durchaus Susanna und Figaro sein.
Die 46 Lieder basieren auf schlichten, von Paul Heyse ins Deutsche übertragenen (und geglätteten) italienischen Volksweisen. Doch fällt das «Italienische Liederbuch» insofern aus dem sonstigen Rahmen Wolf’scher Lieder, als die gern gestellte Forderung, der Interpret habe sich ihnen deklamatorisch beinahe wie ein Schauspieler zu nähern, hier nicht trifft. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Medien/CD, Seite 23
von Gerhard Persché
Zwölf Jahre sind seit Robert Carsens und William Christies wundervoller «Alcina»-Produktion an der Pariser Oper nun schon vergangen. Und doch fühlte man sich jetzt an Renée Flemings damalige Leiden als machtlose Zauberin erinnert, die vor einer Phalanx makelloser Nackter in der Nacht ihrer Ohnmacht versank, welche ihr den Liebsten nicht mehr zurückholen konnte....
New York ist für Rossinis «Le Comte Ory» kein Neuland: Nachdem Thomas Schippers die Oper 1962 mit den Philharmonikern und Solisten wie Judith Raskin (Adèle), Shirley Verrett (Isolier) und Norman Treigle (Gouverneur) auf den Spielplan gesetzt hatte, fand das Werk 1979 auch in das Repertoire der City Opera Eingang, geadelt durch so ausgewiesene Rossini-Interpreten...
Er hat es wieder einmal geschafft. Als Gerard Mortier in Madrid das Programm für die nächste Spielzeit des Teatro Real vorstellte, brach ein Sturm der Entrüstung los. Kein Verdi, kein Rossini, kein einziger Puccini 2011/12 – das wollten die Liebhaber des Hauses nicht hinnehmen. Ein Teil der Printmedien sprang dem Protestchor bei: Das königliche Theater, so der...
