Zweierlei Maß

Mojca Erdmann, Christian Gerhaher und Gerold Huber mit Wolfs «Italienischem Liederbuch»

Opernwelt - Logo

Für Hugo Wolf musste ein Gedicht, um zum Lied zu werden, bereits bedeutend sein. Der Komponist vertonte Dichtungen, die erhebliches Eigengewicht mitbringen und die gut auch ohne Musik zurechtkommen. Zum Glück, schrieb der Schriftsteller und Kritiker Hans Weigel, habe Wolf zwar viel, aber nicht zu viel von Lyrik verstanden, denn er habe ja auch Emanuel Geibel und Paul Heyse in Musik gesetzt. «Goethe, Mörike, Eichendorff kann man auch lesen. Das ‹Italienische Liederbuch› und das ‹Spanische Liederbuch› muss man hören.

»

Wenn das Letztere, wie es heißt, der «Tristan» des glühenden Wagnerianers Wolf war, so könnte man das «Italienische Liederbuch» vielleicht das Gegenstück zu «Le nozze di Figaro» nennen. Denn das fiktive Paar, das sich hier in Tändelei, Schwärmerei, Eifersucht und Gezänk ergeht, könnten durchaus Susanna und Figaro sein.

Die 46 Lieder basieren auf schlichten, von Paul Heyse ins Deutsche übertragenen (und geglätteten) italienischen Volksweisen. Doch fällt das «Italienische Liederbuch» insofern aus dem sonstigen Rahmen Wolf’scher Lieder, als die gern gestellte Forderung, der Interpret habe sich ihnen deklamatorisch beinahe wie ein Schauspieler zu nähern, hier nicht trifft. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Medien/CD, Seite 23
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Wir sind Gefangene

Immo Karaman hatte in der letzten Spielzeit mit Brittens «Peter Grimes» sein Regiedebüt an der Düsseldorfer Rheinoper gegeben (siehe OW 11/2009). Jetzt setzte er sich dort mit Brittens aufwändigster Oper, dem 1951 uraufgeführten «Billy Budd», auseinander. Wie schon bei «Peter Grimes» verweigert Karaman jede vordergründige Aktualisierung, gar plakative Bebilderung...

Melancholischer Abgesang

Anfang Dezember hat Donald Runnicles an der Deutschen Oper, deren glücklosem Orchester er als GMD wieder Halt und Ausstrahlung verschaffen soll, Berlioz’ monumentale «Trojaner» dirigiert. Was damals aus dem Graben drang, erinnerte eher an Wagners Mischklang als an die Kontrastwirkungen, die seinem französischen Zeitgenossen vorschwebten. Runnicles schien...

Aufwiegler, musikbesessen

«Trau keinem über dreißig!», war die Devise der Achtundsechziger. Die aufbegehrenden Studenten wussten, welch reaktionäre Seilschaften hinter den Kulissen manch altehrwürdiger Institutionen immer noch ihr Unwesen trieben. Die Verfehlungen der Vergangenheit sollten aufgedeckt werden, ebenso deren Weiterwirken; es galt, die Fassaden der Macht zu brechen. Dass die...