Bühnenreif, doch niemand traut sich

Zwanzig Jahre nach «Atys»: Zwei ­Ersteinspielungen machen sich für die Opern Jean-Baptiste Lullys stark

Opernwelt - Logo

Die Bilanz, die der französische Musikwissenschaftler Benoit Dratwicki im Booklet von Hervé Niquets Einspielung der «Proserpine» zieht, ist ernüchternd. Trotz der Be­geis­terung, die William Christies Produktion des «Atys» 1987 ausgelöst habe, hätten die Opern Jean-Baptiste Lullys bislang noch immer nicht zu breiterer Anerkennung gefunden. Immer noch würden einige der sechzehn Tragédies lyriques, die Lully von 1673 an für den Hof Ludwigs XIV.

schrieb, auf ihre Wiederaufführung warten, eine Etablierung im Repertoire sei jedoch erst die Voraussetzung, um die Qualitäten der einzelnen Werke aus größerem Abstand beurteilen zu können.
Heute ist Lully wohl derjenige unter den großen Komponisten der Barockoper, dessen Werke am seltensten aufgeführt werden – und außerhalb des französischen Sprachraums ohnehin ein absoluter Exot. Obwohl die Barockkompetenz inzwischen auch bei den Theaterorchestern erheblich gewachsen ist, obwohl bei Publikum wie Regisseuren inzwischen ein Bewusstsein für die szenischen Potenziale der mythologisierenden Stoffe vorhanden ist, traut sich niemand an Lully heran – nicht einmal an anerkannte Meisterwerke wie «Atys», «Armide» und «Amadis» – und erst recht nicht an ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2008
Rubrik: CDs, Seite 69
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Vergnügungsparadies Hölle

Der Neue ist im Amt. Erstmals standen die Opernfestspiele im finnischen Savonlinna unter der künstlerischen Leitung des Dirigenten Jari Hämäläinen; er löste Raimo Sirkiä ab. Im Unterschied zum vergangenen Jahr gab es diesmal keine finnische Opern-Uraufführung – zumindest nicht für Erwachsene. Denn mit «Seitsemän koiraveljestä» («Die sieben Hundebrüder») von Markus...

Alles Narren

Das 12. Opernfestival Gut Immling stand unter dem Motto «Belcantozauber» – und fand in neuem, leuchtend blauem Gewand statt: Mit Sponsorengeldern wurden Wände und Dach der Theaterscheune isoliert und gestrichen. So ist der Raum zu jeder Jahreszeit wohltemperiert, bei Regen prasselt es weniger laut als bisher. «Nun kann man auch Pianissimo spielen», schwärmt...

Schlager und Raritäten

Auch wenn die ursprünglich für das diesjährige Festival in Macerata geplanten Neuproduktionen von Verdis «Attila» und Hindemiths «Neues vom Tage» aus finanziellen Gründen gestrichen bzw. verschoben werden mussten, war die 44. Saison in der Arena Sferisterio (den Bau hat man Mitte des 19. Jahrhunderts als Sta­dion für eine lokale Variante des Pelota-Spiels...