Buch des Monats: Eine intellektuelle Existenz
Über Carl Dahlhaus, den führenden Musikwissenschaftler seiner Zeit, schrieb sein Freund und Studienkollege Joachim Kaiser 1989 einen bewegt-bewegenden Nachruf. Dahlhaus, heißt es da, habe «mit dem Leben gezahlt dafür, eine intellektuelle Existenz führen zu wollen – um jeden Preis». Das klingt pathetisch nur für diejenigen, die Dahlhaus nicht kannten und sein Werk nicht kennen. Dieses Werk ist inzwischen in zehn Bänden gesammelt greifbar. Es war und ist posthum Gegenstand von Symposien, sorgt unverändert für Anregungen – auch und gerade dort, wo sich Musikwissenschaft wandelt.
Für Dahlhaus waren zum Beispiel historische Forschung und Neue Musik keine sich ausschließenden Kategorien. Er interessierte sich leidenschaftlich für die Musik seiner Gegenwart, etablierte aber auch Oper und Musiktheater als Gegenstand der Forschung (was damals alles andere als selbstverständlich war). Er verknüpfte Teildisziplinen seines Faches, sah historische und systematische Musikforschung stets aufeinander bezogen. Wegweisende Editionen, darunter das «Neue Handbuch der Musikwissenschaft», Pipers «Enzyklopädie des Musiktheaters» und die Neue Wagner-Gesamtausgabe gehen auf ihn zurück.
Sein nur 60 Jahre ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 37
von Stephan Mösch
Zur Eröffnung der Spielzeit wartet das Haus in der elsässischen Kapitale mit einer Uraufführung auf, in der sich Musik-, Tanz- und Sprechtheater verbinden. Der schon für das Straßburger Arsmondo-Festival 2020 vorgesehenen Premiere hatte damals die Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht. Jetzt erweist sich das Werk als Wurf.
Allein die Auswahl...
Herr Ono, gibt es im Japanischen ein Synonym für das deutsche Wort «Systemrelevanz»?
Nein. Dennoch kann unsere Arbeit nicht existieren, ohne systemrelevant zu sein. Am New National Theatre Tokyo funktioniert das jedenfalls außerordentlich gut. Das Team harmoniert miteinander, alle Bereiche – der künstlerische, der technische wie auch der kommerzielle – arbeiten eng...
Ein «Sorgenkind» war «Fidelio» nicht nur für den Komponisten selbst. Auch die Nachwelt, vor allem die inszenierende, hat sich an diesem Stück die Zähne ausgebissen, insbesondere an der schier unauflösbaren Dichotomie aus (heiter-hellem) Singspiel und (dämonisch-dunklem) Drama. Zu wenig bewältigt schien die formale Frage, zu groß der Unterschied der «Strömungen», um...
