Broschüren, die die Welt bedeuten (wollen)
Jetzt, wo sogar die Spielzeitvorschau der Berliner Lindenoper den Weg von der Druckerei in die Briefkästen gefunden hat, hüpfen die Augen wieder einmal vor Freude. Wie reich haben uns die Opernhäuser beschert! Nicht nur mit bunten Farben und ausgefallenen Papiersorten, sondern auch mit vielen «special effects» – grafische, versteht sich. Manche Broschüre scheint gar für eine Galerie moderner Kunst zu stehen. Erst im Anhang ist noch von ein paar Opernaufführungen die Rede.
Ob das Heft gut in der Hand liegt, ob das Layout den Blick aufs Wesentliche lenkt: Nebensache.
Die (Theater-)Welt als Wille und Darstellung. Da können Grafiker noch so oft vor der Bündelung mehrerer Arten der Hervorhebung warnen, weil (übrigens wie auf der Bühne) überzeichnete Effekte leicht verpuffen. Im Heft eines renommierten Hauses dennoch fette Großbuchstaben allüberall, vom Titelblatt bis zu jedem Stücktitel. Und vor allem: J E D E R B U C H S T A B E E I N Z E L N F E T T U N T E R S T R I C H E N.
Solche Extravaganzen und (im eigentlichen Wortsinn) schräge Versuchsanordnungen sind nicht unbedingt und in jedem Fall ein Problem der Grafik – ein «echter» Theatermann, eine «echte» Theaterfrau ist ...
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Opernwelt August 2017
Rubrik: Einspruch aus dem Elfenbeinturm, Seite 62
von Anselm Gerhard
Es gibt Opernhäuser, die wollen schon von außen zeigen, wie bedeutend sie sind – Palermos Teatro Massimo gehört zweifelsohne zu ihnen. Eine monumentale Freitreppe führt zu einem neoklassizistischen Portikus, der von sechs hoch aufragenden korinthischen Säulen getragen und von zwei bronzenen Löwen bewacht wird. Eine mächtige Kuppel überspannt den Zuschauerraum (für...
Ja, dergleichen passiert, wenn Frauen zu sehr lieben. Dann gibt es Ärger, weil nicht der Mann vor Ort ist, dem die tiefe Neigung gilt. In Mozarts jugendlichem Geniestreich, der viel zu selten auf der Bühne zu erleben ist, trifft es Aspasia, die Verlobte des Königs. Der hat sich, um die Tugend seiner Söhne zu überprüfen, totgemeldet und muss nun den Tatsachen tief...
Hieße der Komponist nicht Verdi, kein Mensch würde seinen Erstling «Oberto» aus dem Jahr 1839 kennen. Hin und wieder – besonders im Terzett des ersten und im Quartett des zweiten Aktes – blitzt das Talent des 26-Jährigen auf. Im Ganzen aber fällt das dramaturgisch unbeholfene Stück musikalisch nicht nur weit hinter Donizettis Spätwerke, sondern auch hinter die...
