Broschüren, die die Welt bedeuten (wollen)

Form ohne Funktion: Wie die Gebrauchsgrafik vieler Opernhäuser das Auge verwirrt

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Jetzt, wo sogar die Spielzeitvorschau der Berliner Lindenoper den Weg von der Druckerei in die Briefkästen gefunden hat, hüpfen die Augen wieder einmal vor Freude. Wie reich haben uns die Opernhäuser beschert! Nicht nur mit bunten Farben und ausgefallenen Papiersorten, sondern auch mit vielen «special effects» – grafische, versteht sich. Manche Broschüre scheint gar für eine Galerie moderner Kunst zu stehen. Erst im Anhang ist noch von ein paar Opernaufführungen die Rede.

Ob das Heft gut in der Hand liegt, ob das Layout den Blick aufs Wesentliche lenkt: Nebensache.

Die (Theater-)Welt als Wille und Darstellung. Da können Grafiker noch so oft vor der Bündelung mehrerer Arten der Hervorhebung warnen, weil (übrigens wie auf der Bühne) überzeichnete Effekte leicht verpuffen. Im Heft eines renommierten Hauses dennoch fette Großbuchstaben allüberall, vom Titelblatt bis zu jedem Stücktitel. Und vor allem: J E D E R   B U C H S T A B E   E I N Z E L N   F E T T   U N T E R S T R I C H E N.

Solche Extravaganzen und (im eigentlichen Wortsinn) schräge Versuchsanordnungen sind nicht unbedingt und in jedem Fall ein Problem der Grafik – ein «echter» Theatermann, eine «ech­te» Theaterfrau ist ...

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Opernwelt August 2017
Rubrik: Einspruch aus dem Elfenbeinturm, Seite 62
von Anselm Gerhard

Vergriffen
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