Bremer Freiheit
Man kann in der Weser baden. Man kann es auch sein lassen, denn sie ist wie jedes Gewässer dieser Art unberechenbar. Lastkähne ziehen ihre Kielspur durch den Strom, der schon mehrmals vertieft wurde, die Fließgeschwindigkeit ist hoch, die Verwirbelungen werden unterschätzt. Das alles hält Nadine Lehner nicht davon ab, am Strand beim Café Sand ins Wasser zu steigen. Die Sängerin lässt sich überhaupt nur von wenig abschrecken, schon gar nicht von Rollen, die andere das Fürchten lehren, auch nicht von Regisseuren mit krassen Einfällen.
Jenůfa, Lady Macbeth und Herodias, Marie aus «Wozzeck», Amanda aus «Le Grand Macabre» oder die irrlichternde Exaltation der Frau in Poulencs Mono-Oper «Le Voix humaine», solche bedrohten und bedrohlichen Charaktere sind ihr gerade recht. «Ich suche die Herausforderung», sagt sie, «komplexe Partien, für die ich mein Herzblut geben kann. In der Oper erlebt man den Künstler unmittelbar auf der Bühne, und das ist etwas anderes als auf dem Sofa vor dem Fernseher zu sitzen. Es gibt keinen doppelten Boden, keinen Schnitt, kein Sicherheitsnetz. Alles entsteht im Moment. Und genau darin liegt die Kraft dieser Kunstform: Ein Mensch durchlebt mit jeder Faser, was ...
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Opernwelt April 2026
Rubrik: Porträt, Seite 76
von Volker Tarnow
Das Paradies? Nun ja, auf Erden wird man es vergebens suchen, dort, wo Lebewesen ihrer Identität häufig schon beraubt sind, noch bevor sie eine solche überhaupt entdecken und entwickeln können. Menschen wie Agnès, die im unschuldigen Alter von 14 Jahren von dem reichen «Protector» als Ehefrau vereinnahmt und in einen imaginären Glaskäfig gesteckt wurde, wo sie...
Über die «Zauberflöte», möchte man meinen, ist (fast) alles gesagt. Dutzende Meter füllen die Regale öffentlicher wie privater Bibliotheken, und auch im spätmodernen Diskurs gab es in jüngerer Vergangenheit immer wieder Deutungsversuche, die Mozarts 1791 in die Musikwelt entsandtes Singspiel auf ein Libretto von Emanuel Schikaneder dem Geist der Zeit (und manchmal...
Param Vir, indisch-britischer Komponist, ist schon 1992 bei der seinerzeit von Hans Werner Henze geleiteten Münchener Biennale in Erscheinung getreten mit zwei Operneinaktern, in denen es um buddhistische Fabeln ging. Danach erschienen im großen Abstand zwei weitere Musiktheaterwerke und nun in Bonn eine neue Oper über Siddhartha Gautama und seinen Weg zum Buddha....
