Im Zweifel lieber leise

Seine Inszenierungen sind im Grunde so wie er selbst: poesiegeladen, pointiert, präzise, gedanklich durchwirkt. Ein Wunder ist dies nicht, Ingo Kerkhof hat, bevor er sich der Schauspiel- und Opernregie zuwandte, Philosophie, Politologie und Literaturwissenschaft studiert. Ein Gespräch über bedeutende Dramatiker, verführerische Angebote, unbequeme Meinungen und den talentierten Nachwuchs

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Herr Kerkhof, lieben Sie Beckett?
Aber ja, sogar sehr.

Warum?
Das lässt sich gar nicht so einfach sagen. Ich weiß nur, dass er mich seit vielen Jahren begleitet. Beckett war ein Autor, den ich als junger Mann unbedingt lesen und verstehen wollte.

Wann sind Sie seinen Stücken das erste Mal begegnet?
Mit 22, 23 Jahren. Wirklich wichtig wurde Beckett allerdings erst später – im Zusammenhang mit Anton Tschechow.

Tschechow war für mich der erste Herz-Autor, und als ich seine Stücke las, entdeckte ich die enge Verbindung zu Beckett. Ich habe die beiden parallel gelesen – und mit Hilfe von Tschechow versucht, Beckett zu verstehen.

Der dritte große Theaterautor, Bertolt Brecht möge es verzeihen, fehlt – William Shakespeare.
Natürlich kommt man im Theater an Shakespeare nicht vorbei. Und doch habe ich jene Leidenschaft, die ich für Tschechow und Beckett empfinde, bei Shakespeare nie in gleicher Weise entwickelt. Vielleicht liegt es daran, dass er uns im Studium wie ein Riese vor die Nase gestellt wurde. Schon damals beschlich mich das ungute Gefühl, dem nicht gerecht werden zu können.

Ist es bei Beckett nicht noch schlimmer?
Ja. Samuel Beckett ist ein Autor, über den man auf der Bühne kaum ...

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Opernwelt April 2026
Rubrik: Interview, Seite 42
von Jürgen Otten

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