Bravissimo!

CD des Monats: Sophie Junker und das {Oh!}Orkiestra unternehmen eine Reise durch das klingende Venedig des 18. Jahrhunderts

Opernwelt - Logo

Iside, schöne, stolze Tochter des Flussgottes Inachos und verlobt mit dem ägyptischen König Osiris, ist, man kann es nicht anders sagen, sauer. Ach, was: Enragiert und fuchsteufelswild ist sie. Also schleudert sie ihre erklecklichen thymotischen Energien heraus wie eine Furie – so furios, dass wohl selbst Jupiter, oberster olympischer Casanova, lieber das Weite suchen würde. Dafür hat Antonio Lotti in seiner 21.

Oper (der Mann war wirklich fleißig, sucht aber bis heute vergeblich nach dem gerechten Lohn für seine Kunst) mit dem schönen Titel «Giove in Argo» Töne und Klänge gefunden, die auf höchstem Niveau die höchste Erregung der Gottestochter mit Grandezza darzustellen wissen.

Was Lotti nicht wissen konnte: Mehr als 300 Jahre gingen ins Land, bevor jemand auf die Idee verfiel, die Arie der Iside «Con fiamme, e con straggi» auf eine kleine Silberscheibe zu bannen und sie damit (fast) für die Ewigkeit zu retten. Sophie Junker und das von seiner Konzertmeisterin Martyna Pastuszka geleitete {Oh!} Orkiestra haben es nun getan und sorgen für einzigartiges Hörerglück. Was für ein Wurf! Was für eine Wucht und eine Verve! Schon die instrumentale Einleitung gleicht einem Gewitter, das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Medien, Seite 35
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Die Unschuld vom Strande

Mit Kalypso und Nausikaa beginnt die Literaturgeschichte des Strandes. Die faszinierende Grenzwelt der Elemente, wo Schönheit und Schrecken, das Endliche und Unendliche symbolträchtig aufeinanderstoßen, hat unvermeidlich auch die Oper inspiriert – stärker sogar als das Meer selbst. Ohne den Strand von Aulis wäre Glucks Iphigénie beinahe heimatlos, und wo sollte...

Wo aber sind die Genies?

Pietro Antonio Domenico Bonaventura Trapassi war der Erste. Unter seinem Künstlernamen Pietro Metastasio schrieb der italienische Dichter Hunderte von Libretti, die nicht nur den Grundstein für eine außergewöhnliche Kunstform legten, sondern zugleich ihren fortwährenden Ruhm begründeten; noch heute betören Metastasios Schöpfungen durch ihren Erfindungsreichtum,...

Wahn, Sinn und Methode

Der Mensch, so hat es, sehr spitzfindig und süffisant, einmal T. S. Eliot formuliert, ist nicht imstande, viel Realität zu ertragen. Was häufiger, als man gemeinhin denken sollte, zur Folge hat, dass dieser Mensch dann in eine Traumwelt entflieht, dorthin, wo er zumindest das Gefühl, eine Ahnung von Freiheit hat, auch wenn dies nur eine Fata Morgana ist, die ihm...