Jedenfalls ein Neuanfang
Zu den großen Opernfiguren, die nicht mit Empathie rechnen dürfen, gehört die Küsterin in Leoš Janáčeks «Jenůfa». Dass es nicht das Glück der jungen Frau ist, für das Buryja zur Kindermörderin wird, sondern ihr bigotter Wunsch, die Ziehtochter noch gut verheiraten und damit den eigenen Ruf retten zu können, macht sie zur gemeingefährlichen Vertreterin bürgerlicher Selbstzufriedenheit.
Dramaturgisch aber zählt das zum Besten, was auf der Bühne zu finden ist.
In dem Moment, in dem die Küsterin Laca gegenüber versichert, das unehelich geborene Kind Jenůfas und seines Rivalen sei tot, der Weg zur Hochzeit also frei, lebt das Menschenküken ja noch. Es schlummert nebenan, jetzt aber zum Tode verurteilt. Wenn eine Sängerin die Küsterin so intensiv darstellt, wie Kirsi Tiihonen das nun in Heidelberg macht, begreift man, wie diese lebensverbitterte Frau das ihrerseits begreift. Es graut ihr vor sich selbst, aber sie wird das Schlimme trotzdem tun – und damit garantiert nicht glücklich werden. Und das nicht nur, weil die Leiche des Säuglings unterm Eis entdeckt wird, als es taut. Sie verliert bereits vorher völlig die Nerven und bleibt als zerstörter Mensch übrig. Dennoch wird niemand ...
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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Judith von Sternburg
Sinnsuche
Eine Oper? Noch vor einigen Jahren war Rebecca Saunders sicher, dass dieses Genre nichts für sie sei. Zu komplex, zu weit weg von ihren Idealen. Nun hat die britische Komponistin ihre Meinung geändert. An der Deutschen Oper Berlin kommt ihr Musiktheater «Lash» auf ein Libretto, das sie gemeinsam mit dem Videokünstler Ed Atkins geschrieben hat, heraus. Wir...
Am Ende gibt es keinen filigranen Pinselstrich mehr, da greift sie flugs zur breiten Borste. Mit fettem Schwarz übertüncht Senta ihr Gemälde, und parallel dazu färbt sich der heruntergelassene Gaze-Vorhang dunkel – auf dass nichts mehr zu sehen ist vom Holländer und der vierstöckigen Hochzeitstorte, vor der Matrosen und Gäste verröcheln, manche voller Blut; eine...
Der Mensch, so hat es, sehr spitzfindig und süffisant, einmal T. S. Eliot formuliert, ist nicht imstande, viel Realität zu ertragen. Was häufiger, als man gemeinhin denken sollte, zur Folge hat, dass dieser Mensch dann in eine Traumwelt entflieht, dorthin, wo er zumindest das Gefühl, eine Ahnung von Freiheit hat, auch wenn dies nur eine Fata Morgana ist, die ihm...
