Bloß keine Romantik

Martin Kusej (in München) und Franz Welser-Möst (in Salzburg) misstrauen Dvoráks «Rusalka»

Opernwelt - Logo

Was bewegt einen Komponisten, zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen Sagenstoff noch einmal aufzunehmen, der in der Romantik viele und prominente Ausformungen erfahren hat – in der Literatur wie in der Musik? Antonín Dvorák war nicht mehr jung, als er «Rusalka» in einem Zug schrieb, ein hoch berühmter Mann, aber auf dem Gebiet der Oper bis dahin nicht wirklich erfolgreich.

War die Stückwahl pure Nostalgie, ein ängstliches Innehalten und Sich-Zurück-Wenden angesichts der Herausforderungen und Zumutungen einer Moderne, die auch auf musikalischem Gebiet vehement zu neuen Ufern drängte? Was bedeutet der Sagenkreis um Undine und Loreley in den Anfängen des Technischen Zeitalters und, ganz nebenbei, in den Kindertagen der Psychoanalyse?

Die von Dvorák vorliegenden schriftlichen Äußerungen geben keinen Hinweis darauf, dass er solche Fragen reflektierte, doch den schon damals aktuellen Konflikt zwischen Natur und Zivilisation, der ein Hauptthema in Jaroslav Kvapils Libretto ist, wird er wie andere sensible Zeitgenossen auch stark empfunden haben. Mehr als hundert Jahre nach der Uraufführung der Oper (1901) hat sich dieser Konflikt weiter zugespitzt, könnte auch Thema einer modernen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Medien | CDs, DVDs, Seite 47
von Ekkehard Pluta

Weitere Beiträge
Demokratie – wo ist denn die?

Russland ist derzeit ein besonders korruptes Land, dessen Regierung macht, was sie will. Steif und fest wird offiziell behauptet, die Demokratie floriere auf allen Ebenen. Natürlich spricht das der Realität Hohn. Dem Bolschoi Theater gab es jetzt Anlass zu einer scharfen Satire. Herausgefordert, wie zu Zeiten von Schostakwitschs «Lady Macbeth von Mzensk», fühlt...

Flirts mit dem Musiktheater

Seit Peter Gelb vor fünf Jahren die Leitung der Metropolitan Opera übernommen hat, ist dort auf szenischem Gebiet eine vorsichtige Annäherung an die Standards des europäischen Musiktheaters zu konstatieren. «Vorsichtig» bedeutet: Die Inszenierungen begnügen sich nicht damit, den auftretenden Sänger-Stars einen dekorativen Rahmen zu bieten, wagen die Stücke...

Anregend, ausgewogen, aufregend

Aufnahmen im Mehrkanalton-Verfahren tendieren oft zu einer gewissen Weichzeichnung. Der Klang ist räumlicher, aber oft auch weniger scharf konturiert. Man mag das bedauern, doch dem «Parsifal», der im Dezember 2010 mit den Philharmonikern des Niederländischen Rundfunks unter Jaap van Zweden anlässlich einer konzertanten Aufführung in Amsterdam mitgeschnitten wurde,...