Bloß kein Ketchup
«If you can’t beat them, join them!», sagt man im Englischen: Wenn du sie nicht schlagen kannst, verbünde dich mit ihnen. Als in den 1920er-Jahren eine Modewelle nach der anderen von den USA gen Europa hinüberschwappte, folgte so mancher Operettenkomponist im deutschsprachigen Raum diesem Rat. Peppte die Partituren mit – mehr oder weniger gut nachempfundenem – amerikanischem Material auf, integrierte Jazz, Foxtrott, Shimmy und Twostep.
Nicht so Reynaldo Hahn in Paris: Der mondänste aller Pariser Komponisten, Intimus von Marcel Proust und gern gesehener Gast in allen literarischen Zirkeln der Kapitale, brachte im April 1923 «Ciboulette» heraus, eine genuin französische opérette im ganz alten Stil, gedacht als patriotisches Manifest gegen die Amerikanisierung des Unterhaltungstheaters.
Die von Robert de Flers und Françis de Croisset erdachte Handlung spielt in den Pariser Markthallen und im Vorort Aubervilliers, rückt Menschen aus dem einfachen Volk in den Mittelpunkt und verkuppelt am Ende die blutjunge Gemüsehändlerin Ciboulette mit dem geläuterten Lebemann Antonin. Reynaldo Hahn schrieb dazu keine Chansons in jenem raffiniert-sensitiven Stil, für den er berühmt war, sondern ...
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Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Frederik Hanssen
Tannhäuser». Wieder einmal. Das Stück scheint dazu angetan, Befindlichkeiten aller Art zu verletzen. In Bayreuth empörte Sebastian Baumgartens Biogasanlage. An der Rheinoper in Düsseldorf brachte Burkhard C. Kosminski mit plakativen Gaskammer- und Erschießungsszenen das Publikum gegen sich auf; Intendant Christoph Meyer knickte ein und stieg auf konzertante...
Als Pionier des musikalischen Exotismus war Félicien-César David (1810-1876) bis vor Kurzem nicht mehr als eine Fußnote der Musikgeschichte. Das ändert sich langsam, denn durch die Initiative des Palazzetto Bru Zane werden seine Werke jetzt erneut zur Diskussion gestellt. Nach «Herculanum» und «Lalla Roukh» (siehe OW 2/2015) ist jetzt die sinfonische Ode «Le...
Ja, so kann es wohl klingen, das «Unbehagen über den Zustand unserer Welt». Pascal Dusapin spricht davon im Zusammenhang mit seiner neuen Oper «Penthesilea», in der er quasi zu sich selbst gekommen sei, wie er der Journalistenrunde mit leisem Lachen sagt: Auch die früheren Opern seien Versuche gewesen, eine «Penthesilea» zu schreiben, aber erst jetzt sei...
