Haarige Fantasie
Es habe keinen Tag gegeben, so hat Marcel Prawy erzählt, an dem es nicht in ihm gesungen hätte: «Glück, das mir verblieb». Und immer habe er dabei die Stimmen von Maria Jeritza und Lotte Lehmann gehört, die im Palast seiner Erinnerungen fortlebten wie die Marie in der von ihrem Witwer Paul für sie errichteten «Kirche des Gewesenen».
In der Hamburger Aufführung von Erich Wolfgang Korngolds «Die tote Stadt», einst von Geschmackspolizisten der Avantgarde unter Kitschverdacht gestellt, seit einiger Zeit wieder so erfolgreich wie im dritten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts, fällt der erste Blick auf die Rückwand der Bühne, auf der sich blonde Haare wie Fäden verschlingen. Es ist ein doppelter Blick. Der des Zuschauers fällt auf Paul. Dieser, reglos auf einem Stuhl hockend, fixiert einen Fetisch: die Haare seiner verstorbenen Frau.
Das hypnotische Bild findet seine Entsprechung in dem mit Sand bedeckten Bühnenboden – Chiffre für die tote Stadt, zu der das einst stolze Brügge hier geworden ist. Roy Spahn ist es gelungen, auf suggestive Weise die «correspondance» zwischen «Bruges-la-Morte» und der toten Marie herzustellen. Ein Bühnenbild, das die Handlung stärker bewegt und treibt als die ...
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Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Jürgen Kesting
Chaos tobt um das Theater der größten Stadt Mecklenburg-Vorpommerns. Als sei das Volkstheater Rostock durch die Entscheidung, das Ballett und die Opernsparte auszu-
lagern, nicht schon genug gebeutelt, setzte der parteilose Oberbürgermeister Roland Methling auch noch den Intendanten vor die Tür, der gerade damit begonnen hatte, das Haus wieder in Schwung zu bringen....
Es gibt am Premierenabend keinen Aufstand im Royal Opera House. Selbst als während der vorletzten Vorstellung der «Mahagonny»-Inszenierung von John Fulljames ein Kabelbrand an Covent Garden die Lichter löscht und im Opernhaus das Catering lahmlegt, beschwert sich niemand: Die schöne Ironie, die darin liegt, dass es zu einer Show über Whiskey bloß Leitungswasser...
Als Pionier des musikalischen Exotismus war Félicien-César David (1810-1876) bis vor Kurzem nicht mehr als eine Fußnote der Musikgeschichte. Das ändert sich langsam, denn durch die Initiative des Palazzetto Bru Zane werden seine Werke jetzt erneut zur Diskussion gestellt. Nach «Herculanum» und «Lalla Roukh» (siehe OW 2/2015) ist jetzt die sinfonische Ode «Le...
