Blitzen, Glühen, Schneiden, Schmiegen
Wie treffend, wie irreführend hat Ferruccio Busoni den Begriff «Opernspiel» für seine «Doktor Faust»-Oper gewählt. Von der Leichtigkeit eines Spiels hat dieses Werk nichts. Busoni, der, trotz seiner Herkunft, seinem Temperament nach eher ein Nördler denn ein Südländer war, zergrübelt diese Oper – was passend ist, bei diesem Stoff. Und doch ist es ein Spiel. Busoni spielt mit Zitaten, mit dem Hörer, auch mit der Handlung, indem er sie in einzelne Szenen zerklüftet. Das Werk ist so etwas wie eine Versuchsanordnung.
Stringenz, motivische Brücken, rote Fäden spielen da eine Nebenrolle. Entsprechend türmt Tomas Netopil am Pult des Bayerischen Staatsorchesters die einzelnen Mosaiksteinchen auf- und nebeneinander, bemüht sich darum, die Balance zu halten zwischen den Bedürfnissen der Vokalsolisten und der Funktion des Orchesterparts, so wie Busoni ihn sich vorstellte: als eigenständigen Kommentar.
Im Jahr 2008 kam «Doktor Faust» erstmals in München auf die Bühne. Der Live-Mitschnitt von den Opernfestspielen liegt nun auf drei CDs vor. Ob es klug war, die unvollendete Version Busonis an Stelle der Alternativschlüsse durch Jarnach oder Beaumont zu wählen, bleibe dahingestellt. Die ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Christoph Vratz
Er taucht in jeder Geschichte der Oper auf, besonders häufig freilich, wenn es um die des 19. Jahrhunderts geht, noch spezifischer: wenn von Rossini, Bellini, Donizetti und der Entwicklung des frühromantischen italienischen Melodramma, aber eben auch der Buffa die Rede ist. Dann wirft er einen langen Schatten, bleibt aber als dunkle Silhouette im Hintergrund, wird...
Minderwertigkeitskomplexe hat er nicht: Als der Kongress seinen Vorschlägen zustimmt, dankt er «im Namen der Menschheit». Seinen Mitarbeitern gegenüber gibt er sich als toleranter Chef. Doch seine Anordnungen setzt er mit brutaler Härte durch, Zuwiderhandelnden drohen drakonische Strafen.
Wer ist es? Obama? Nein, denn Frauen kommen bei ihm für Führungsaufgaben...
Norma, Amina, Lucia, Elvira: Frauengestalten, deren seelischer Seismograph empfindlich ausschlägt und bei Schockerfahrungen zerbricht. Deren psychotische Schübe, deren Wahnsinn sich in halsbrecherischen Koloraturen, mezza-voce-Fäden, fein gesponnenen Passagen entäußert. In Form nervös zitternder Klagegesänge aus einem Reich zwischen Traum und Wirklichkeit. Als...
