Begrenzt entgrenzt
Ganz gleich, ob es sich um die Contessa oder Susanna im «Figaro», Donna Elvira oder Zerlina im «Don Giovanni», Pamina oder Königin der Nacht in der «Zauberflöte» handelt – bei Mozart steht als Besetzungsangabe immer nur «Sopran». Die Differenzierung nach verschiedenen Stimmfächern ist eine Erfindung späterer Zeit, die dafür sorgte, dass Sängerinnen, die der «Hölle Rache» koloratur- und höhensicher beschwören können, nicht auch eine leidende Gräfin oder eine hysterische Donna Elvira darstellen.
Die lettische Sopranistin Marina Rebeka setzt sich über das tradierte Fächerdenken hinweg und präsentiert bereits mit den ersten drei Arien ihres Mozart-Albums drei grundverschiedene Charaktere: Elettras furiose Finalszene aus «Idomeneo» weiß sie mit energischem Ausdruck und explosiven Ausbrüchen zu gestalten, «Porgi, amor» gelingt ihr mit schöner Innigkeit, als rachedurstige Königin der Nacht versteht sie mit gestochen scharfen Koloraturen zu beeindrucken. Auch die anderen Arien zeigen die Tendenz, die Spannweite vom lyrischen Sopran bis zum Koloratursopran abzudecken.
Rebeka, auf den großen Bühnen der Welt nicht zuletzt als Mozart-Interpretin tätig, verfügt über stimmliche Mittel, die ihr ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 20
von Thomas Seedorf
Crossover? Da hebt sich in Deutschland noch immer manche Braue – wie man in den diversen Internetforen, die sich mit E und U beschäftigen, feststellen kann. Denn die Kategorien der E-Musik – von Beamten des 19. Jahrhunderts erfunden und Sammelbegriff für wertvolle, doch kommerziell vergleichsweise chancenarme Werke – und jene ihrer sich vermeintlich...
Manche Opernhäuser haben nicht nur ihre Säulenheiligen, die Bayerische Staatsoper etwa mit Mozart, Wagner und Strauss, sie hegen auch noch ihre heiligen Stücke. Und das müssen nicht unbedingt die Hits sein. Es können – wieder Beispiel München – auch auskragend komplexe, denk- und fragwürdige Dramen wie «Die Frau ohne Schatten» von Richard Strauss und Hugo von...
Elektrisierende Streicher, dunkel murmelndes Klavier. Wind, der die Baumwipfel zaust, in rhythmischen Böen niederstreicht – so beginnt Ralph Vaughan Williams’ «On Wenlock Edge» zu Texten aus A. E. Housmans «A Shropshire Lad», uraufgeführt 1909. Dann sind da die Glocken in «Bredon Hill», schwingende Quinten, leichtfüßig durchschrittene Terzen, schließlich düstere...
