Blicke ins Weite
Wer trotz allem lacht, verfügt im besten Falle über eine gehörige Portion jüdischen Humors, kann nicht nur der Vertreibung aus dem osteuropäischen Schtetl mit Komik begegnen, sondern sogar der Shoah. Das Lachen wird zum Mechanismus der Bewältigung des Bösen und des Überlebensgeistes selbst im Angesicht des Todes. In ihm begegnet die jüdische Kultur der Verzweiflung mit Sarkasmus, Satire, Ironie und sehr wohl auch mit Selbstironie, denn auch dem eigenen Glauben ist dabei nichts mehr heilig.
Der singuläre Meister dieses speziellen Humors, der diesen auf Jiddisch praktizierte und sich für die so entstandene Weltliteratur anno 1978 den Nobelpreis für Literatur erschrieb, war Isaac Bashevis Singer. Er erforschte die Haltung seiner Vorfahren zwischen Leidenserfahrung und Lebensfreude so tiefsinnig wie witzgeschärft, thematisierte zumal die Emigration der Ostjuden in die Vereinigten Staaten, warf aber auch universell existenzielle Fragen über die allzu menschliche Leidenschaft auf. Eine seiner Kurzgeschichten erzählt von der späten Wiederbegegnung einer Frau und eines Mannes, die als jüdische Einwanderer nach New York kamen und sich dort nach Jahren der Trennung in den 1960er-Jahren ...
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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Magazin, Seite 85
von Peter Krause
Diese Sippe hat keine Leiche im Keller, sondern in der Kanalisation. Kurz nach dem Beginn wird sie versenkt und damit signalisiert: Die feine «Gesellschaft zum Schutz der Ratten», wie sie sich in dieser Oper nennt, mag sich vegetarisch geben, nimmt aber den ein oder anderen Mord für ihre Zwecke in Kauf – auch wenn das gar nicht im Libretto steht. Menschliche...
Die Natur, diese alles umfassende Metapher für Leben und Sein alles Kreatürlichen in Leoš Janáčeks drittletzter Oper, wird ausgesperrt in der Stuttgarter Inszenierung von Stephan Kimmig (Regie) und Katja Haß (Bühnenbild). Allerhöchstens als Projektion züngeln anfangs florale Videobilder – auch in ein unheimlich schwarzweißes Negativbild sich wandelnd – an einem...
Sie sind einander vermutlich nie begegnet, obwohl sie das gleiche Schicksal teilten, wussten deswegen auch nicht, dass es weitere Parallelen zwischen ihnen gab. Beide Frauen waren jung und jüdischen Glaubens, beide führten, bevor sie ins Konzentrationslager Bergen-Belsen kamen, zwei Jahre lang Tagebuch, die eine in Paris, die andere in Amsterdam. Der wesentliche...
