Putzig geht anders

Witz und scharfe Zeichnung: An der Staatsoper Stuttgart räumt Stephan Kimmig in der «Schlauen Füchsin» von Janáček allen Märchenkitsch ab, Ariane Matiakh lässt das Orchester aufleben. Ein Triumph des Musiktheaters

Opernwelt - Logo

Die Natur, diese alles umfassende Metapher für Leben und Sein alles Kreatürlichen in Leoš Janáčeks drittletzter Oper, wird ausgesperrt in der Stuttgarter Inszenierung von Stephan Kimmig (Regie) und Katja Haß (Bühnenbild). Allerhöchstens als Projektion züngeln anfangs florale Videobilder – auch in ein unheimlich schwarzweißes Negativbild sich wandelnd – an einem altertümlich ornamentierten weißen Rahmen. Er fasst einen leicht ansteigender Holztunnel, dessen Wände nach links zu kippen scheinen und der rückwärts an einer Wand aus Milchglas endet.

Schemenhaft sind dahinter entlaubte, bleiche Baumstämme zu erahnen, schattenhafte Wesen mit leuchtenden Augen erscheinen, verschwinden. Ein futuristischer Lost place, wo schnell mal ein Sofa, Tisch und Stühle aus dem Boden wachsen, mit runden Auslassöffnungen links und rechts, vier davon an der Decke. Was ist das? Enteigneter Dachs-, nun Fuchsbau, Försterstube und Gasthaus und imaginierter Wald auf jeden Fall, hier spielt – überhaupt erstmals in Stuttgart seit der Uraufführung 1924 in Brünn – eine Geschichte der Emanzipation, von weiblicher Selbstermächtigung, weswegen Janáčeks Oper hier richtig «Die schlaue Füchsin» heißt.

Der bislang im ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von Götz Thieme

Weitere Beiträge
Melancholie, mon amour

Die Nachtigall singt. Aber so leise, so zärtlich, dass hinter ihrer gedämpften Stimme die Landschaft hervortritt, das Idyll, seine vage pneumatische Suggestion. «En sourdine», heißt das Kleinod, in dem sich diese Atmosphäre einer inneren wie äußeren Gemütsruhe beschrieben sieht, und nur ein Gabriel Fauré konnte es in dieser Manier komponieren – als eine stoische,...

Eislaufvaters Macht

Es dauert lange, bis in dieser Inszenierung ein sprechendes Bild auf der Bühne zu sehen ist, eines, in dem Musik und Darstellung zu geglückter Ergänzung finden. Im vierten Akt erscheint ein Geiger im Frack in der traurigen U-Bahn-Unterwelt, in der sich «Ruslan und Ljudmila» in Hamburg meist zuträgt, und macht Straßenmusik. Aber was für eine: Das weit ausgreifende...

Gottes Werk und Teufels Beitrag

In Dikanka ist der Teufel los. Aber nicht nur der. Auch eine Hexe, im bürgerlichen Leben die vielbegehrte Hausfrau Solocha, treibt ihr Unwesen. Und weil sich beide Naturen verbünden, gehen in dem ukrainischen Dorf bald sämtliche Lichter aus. Der Teufel, ein durchtriebener Schlingel (man vermutet, er könne Deutscher sein mit seiner sich fortwährend bewegenden,...