Putzig geht anders
Die Natur, diese alles umfassende Metapher für Leben und Sein alles Kreatürlichen in Leoš Janáčeks drittletzter Oper, wird ausgesperrt in der Stuttgarter Inszenierung von Stephan Kimmig (Regie) und Katja Haß (Bühnenbild). Allerhöchstens als Projektion züngeln anfangs florale Videobilder – auch in ein unheimlich schwarzweißes Negativbild sich wandelnd – an einem altertümlich ornamentierten weißen Rahmen. Er fasst einen leicht ansteigender Holztunnel, dessen Wände nach links zu kippen scheinen und der rückwärts an einer Wand aus Milchglas endet.
Schemenhaft sind dahinter entlaubte, bleiche Baumstämme zu erahnen, schattenhafte Wesen mit leuchtenden Augen erscheinen, verschwinden. Ein futuristischer Lost place, wo schnell mal ein Sofa, Tisch und Stühle aus dem Boden wachsen, mit runden Auslassöffnungen links und rechts, vier davon an der Decke. Was ist das? Enteigneter Dachs-, nun Fuchsbau, Försterstube und Gasthaus und imaginierter Wald auf jeden Fall, hier spielt – überhaupt erstmals in Stuttgart seit der Uraufführung 1924 in Brünn – eine Geschichte der Emanzipation, von weiblicher Selbstermächtigung, weswegen Janáčeks Oper hier richtig «Die schlaue Füchsin» heißt.
Der bislang im ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von Götz Thieme
Frei ist die Tonkunst geboren und frei zu werden ihre Bestimmung.» Mit dem kühnen Satz krönte Ferruccio Busoni 1907 seinen «Entwurf einer neuen Ästhetik der Tonkunst» – in der zweiten Fassung 1916 Rainer Maria Rilke, «dem Musiker in Worten verehrungsvoll und freundschaftlich dargeboten». Mit dem Schweben zwischen der Tradition und einer dank Schönberg sich...
Frau Kampe, was macht man eigentlich als Brünnhilde zwischen den Vorstellungen und «Ring»-Zyklen?
Ausruhen! Manchmal gehe ich auch zur Massage, damit sich der Körper ein bisschen entspannt. Ansonsten spazieren gehen, Dinge tun, die nicht allzu anstrengend sind. Aber sich völlig gehen zu lassen, ist auch nicht gut. Man muss den Motor schon am Laufen halten.
Ist es...
Unterschiedlicher hätten sie nicht sein können. Ihre einzige Gemeinsamkeit war der Erfolg. Otto Nicolai wuchs in Königsberg unter prekären Verhältnissen auf. Der Vater prügelte ihn und trennte sich früh von der Mutter, für deren psychisches Leiden er ebenfalls verantwortlich war. Das Kind wuchs bei Pflegeeltern auf. Vater und Mutter traten später nur noch in...
