Jugend ohne Gott
Sie sind einander vermutlich nie begegnet, obwohl sie das gleiche Schicksal teilten, wussten deswegen auch nicht, dass es weitere Parallelen zwischen ihnen gab. Beide Frauen waren jung und jüdischen Glaubens, beide führten, bevor sie ins Konzentrationslager Bergen-Belsen kamen, zwei Jahre lang Tagebuch, die eine in Paris, die andere in Amsterdam.
Der wesentliche Unterschied zwischen Hélène Berr und Anne Frank bestand einmal darin, dass die Ältere sich nicht in einem Hinterhaus verstecken musste, sondern Mitglied einer Organisation war, die internierten Juden und ihren Angehörigen mit Rat und Hilfe zur Seite stand – und zum anderen, dass Hélène schon Schriftstellerin war, während die um acht Jahre jüngere Anne davon träumte, diesen Beruf einmal auszuüben – dann, wenn das Grauen überstanden sein würde. Die Hoffnung war in beiden Fällen vergeblich. Anne Frank wurde 1944 deportiert und starb wenige Monate später in Bergen-Belsen an Typhus, Hélène Berr, die ihr Landsmann, der französische Schriftsteller Patrick Modiano, angesichts ihres philosophischen Weitblicks mit Simone Weil und ihrer literarischen Expressivität wegen mit Katherine Mansfield verglichen hatte, starb am gleichen Ort ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Jürgen Otten und Peter König
Warum besetzt man die Rolle der Cleopatra in Händels «Giulio Cesare in Egitto» mit einem männlichen Sänger? Wir sind doch nicht in Rom des 17. Jahrhunderts, wo Frauen auf der Bühne verboten waren und ab und zu Kastraten in ihre Rollen schlüpften. Doch es fügte sich offenbar, dass mit Dennis Orellana einer der besten Sopranisten unserer Zeit zur Verfügung stand. Er...
In Dikanka ist der Teufel los. Aber nicht nur der. Auch eine Hexe, im bürgerlichen Leben die vielbegehrte Hausfrau Solocha, treibt ihr Unwesen. Und weil sich beide Naturen verbünden, gehen in dem ukrainischen Dorf bald sämtliche Lichter aus. Der Teufel, ein durchtriebener Schlingel (man vermutet, er könne Deutscher sein mit seiner sich fortwährend bewegenden,...
Blutjung
Ein genialer Kopf, dem nur wenig Lebenszeit vergönnt war: der Dirigent und Komponist Peter Ronnefeld. 1965 starb er mit 30 Jahren, gerade Generalmusikdirektor in Kiel, ein Mann für kommende, große Aufgaben. Die Oper Bonn, wo er 1961 Chefdirigent wurde, macht sich nun um den vom Vergessen bedrohten Künstler verdient und setzt sein Bühnenwerk «Die Ameise»...
