Blicke in den menschlichen Abgrund
Moderne Technik macht‘s möglich: Jahrzehntealte, aufwändige Fernseh-Opern-Produktionen der BBC, die so marode waren, dass sie nicht gesendet werden konnten, sind nach Restaurierung des Materials in exzellenter Bild- und Tonqualität nun auf DVD erhältlich. «Billy Budd» wurde 1966 in Schwarz-Weiß und mit mehreren Kameras gedreht, die sich in einem originalgetreu nachgebauten Schiff zwischen Ober-, Zwischen- und Unterdeck in verschiedenen Perspektiven frei bewegen und dabei ausdrucksstarke Bilder einfangen. Gesungen wird live, das Orchester spielt in einem benachbarten Studio.
Basil Colemans Bühnen- und Bildregie ist erstaunlich unkonventionell und hat nicht nur die Solisten, sondern jeden einzelnen Chorsänger zu differenzierter Mimik inspiriert. Dem 38-jährigen Peter Glossop glaubt man in Timbre, Erscheinung und Spiel den jungen, naiven, bei allen beliebten Titelhelden. Dagegen wirkt Michael Langdons stoische Miene und Stimme als intriganter Claggart, der sein heimliches Begehren für Billy in tödlichen Hass verwandelt, umso bedrohlicher. Ein vokal wie darstellerisch vielschichtiges Rollenporträt zeichnet Peter Pears: Eindrücklich verkörpert er die für den Captain Vere ...
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Ist’s ein Engel? Glaubt man Wolfram, der das Wort späterhin im «Tannhäuser» benutzt, um seinen abtrünnigen Sangesbruder Heinrich zu retten, müsste man es annehmen. Doch ein Engel würde wohl kaum die «allmächtige Jungfrau» bemühen, um seine zerrüttete Seele in die nötige Balance zu bringen. Und eben dies tut Elisabeth, kaum ist der Chor der Pilger vorübergezogen, in...
Manche Angelegenheiten des Lebens und der Kunst gewinnen an Kontur, werden vielleicht sogar anmutiger oder zumindest angenehmer, wenn man sie ein zweites Mal sieht. Nicht so diese. Die «Manon»-Inszenierung des Amerikaners Vincent Paterson, zu der sich im Frühling vergangenen Jahres in der Berliner Lindenoper ein gülden glitzernder Vorhang hob (siehe OW 6/2007), ist...
Kennt man nicht, will man nicht
Von Glanz und Elend des Operettenbetriebs
Die Operette lebt, weil sie unsterblich ist. Oder?» Das sagte einmal ein nicht ganz unwichtiger Komponist der «Heiteren Muse», Robert Stolz. Und gab damit die Antwort auf einen Wiener Miesepeter namens Hans Weigel, der in den sechziger Jahren glaubte, das Ende der Operette konstatieren zu...
