Blicke in den menschlichen Abgrund

Brittens «Billy Budd» und «Peter ­Grimes» mit Peter Pears auf DVD, «Owen Wingrave» sowie Lieder in neuen und historischen Aufnahmen

Moderne Technik macht‘s möglich: Jahrzehntealte, aufwändige Fernseh-Opern-Produktionen der BBC, die so marode waren, dass sie nicht gesendet werden konnten, sind nach Restaurierung des Materials in exzellenter Bild- und Tonqualität nun auf DVD erhältlich. «Billy Budd» wurde 1966 in Schwarz-Weiß und mit mehreren Kameras gedreht, die sich in einem originalgetreu nachgebauten Schiff zwischen Ober-, Zwischen- und Unterdeck in verschiedenen Perspektiven frei bewegen und dabei ausdrucksstarke Bilder einfangen. Gesungen wird live, das Orchester spielt in einem benachbarten Studio.

Basil Colemans Bühnen- und Bildregie ist erstaunlich unkonventionell und hat nicht nur die Solisten, sondern jeden einzelnen Chorsänger zu differenzierter Mimik inspiriert. Dem 38-jährigen Peter Glossop glaubt man in Timbre, Erscheinung und Spiel den jungen, naiven, bei allen beliebten Titelhelden. Dagegen wirkt Michael Langdons stoische Miene und Stimme als intriganter Claggart, der sein heimliches Begehren für Billy in tödlichen Hass verwandelt, umso bedrohlicher. Ein vokal wie darstellerisch vielschichtiges Rollenporträt zeichnet Peter Pears: Eindrücklich verkörpert er die für den Captain Vere ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2008
Rubrik: CDs, Seite 70
von Klaus Kalchschmid

Vergriffen
Weitere Beiträge
Introvertiert

Später Triumph für Giovanni Carestini: Nachdem schon vor wenigen Monaten der französische Countertenor Philippe Jarouss­ky sein neues Album dem Vielseitigsten unter den großen Kastraten gewidmet hatte, zollt nun auch Vesselina Kasarova dem Uraufführungsinterpreten zahlloser Barock­opern ihren Tribut. Im Gegensatz zu Jarouss­kys Porträtalbum, das die stimmliche und...

Editorial

leich beim ersten Mal sollte es die ganz große Nummer werden. Und (fast) alle spielten mit, um die Neue ins gleißende, sprich: geldwerte Licht des Salzburger Promi-Himmels zu rücken. Der Hintergrund: Man brauchte dringend attraktiven Ersatz für Anna Netrebko. Schließlich war Gounods Shakespeare-Oper «Roméo et Juliette» eigens für das singende «Traumpaar»...

Psychologie der Töne

Salustia liebt ohne Berechnung, ohne Überspanntheit, ohne Egoismus. Sie ruht in sich und wächst mit den Herausforderungen des Schicksals. Sie erkennt, wie schwer es ist, im Umfeld der politischen Intrigen des römischen Kaiserreiches integer zu bleiben oder einfach nur ein guter Mensch. Dabei ist sie nicht devot oder eine Heilige, auch sie kennt die Versuchung,...