Glanz und Grenzen des Wagner-Gesangs
Das Gefühl, dass früher alles besser war, entspringt in der Regel eher dem Unbehagen an der unübersichtlichen Gegenwart oder dem Willen zu nostalgischer Verklärung als überprüfbaren Fakten. Vergleicht man das Niveau des Wagner-Gesangs heute mit dem der Vorkriegs- und ersten Nachkriegsjahrzehnte, kann man gleichwohl ins Grübeln kommen.
Der Daland, Landgraf oder Hagen eines Josef Greindl, die Ortrud einer Astrid Varnay, die Brangäne einer
Christa Ludwig, der Tannhäuser, Tristan, Loge und Siegfried eines Wolfgang Windgassen oder die Isolde und Brünnhilde einer Birgit Nilsson müssten in puncto Atemkraft, Radius, Beweglichkeit, Präzision, Ausdruck und Aussprache beinahe allen Bayreuth-«Stars» unserer Tage eigentlich die Schamesröte ins Gesicht treiben. Die vokalen Standards jedenfalls, die während der fünfziger und sechziger Jahre auf dem Hügel selbstverständlich waren, werden heute nur noch selten eingelöst. Die zum Teil deplorablen Leistungen der jüngsten Hügel-Saison schreiben eine Entwicklung fort, die – einzelne Ausnahmen bestätigen die Regel – ein trübes Licht auf das Wagner-Fach wirft.
Eine unschlagbar preiswerte Decca-Box (sie ist schon ab fünfundvierzig Euro zu haben), die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Alle reden vom Auge, seitdem James Bond die Seebühne zum Abenteuerspielplatz seiner Verfolgungsjagden erkor und das ZDF-Plaudertrio uns vor der «Tosca»-Kulisse die Fußball-EM erklärte. Wer immer auf die begnadete PR-Idee kam, Film- wie Fernsehleute ans Bregenzer Ufer zu locken – er hat sich bleibende Verdienste um die weitere Kommerzialisierung der südöstlichen...
Später Triumph für Giovanni Carestini: Nachdem schon vor wenigen Monaten der französische Countertenor Philippe Jaroussky sein neues Album dem Vielseitigsten unter den großen Kastraten gewidmet hatte, zollt nun auch Vesselina Kasarova dem Uraufführungsinterpreten zahlloser Barockopern ihren Tribut. Im Gegensatz zu Jarousskys Porträtalbum, das die stimmliche und...
Salustia liebt ohne Berechnung, ohne Überspanntheit, ohne Egoismus. Sie ruht in sich und wächst mit den Herausforderungen des Schicksals. Sie erkennt, wie schwer es ist, im Umfeld der politischen Intrigen des römischen Kaiserreiches integer zu bleiben oder einfach nur ein guter Mensch. Dabei ist sie nicht devot oder eine Heilige, auch sie kennt die Versuchung,...
