Bild(er)mächtig
Schönes Foto. Es zeigt, schwarz-weiß in der einen, gelb durchstochen in der anderen Diagonale, die Büste eines Mädchens: etwa zwölf Jahre alt, Lockenkopf mit Seitenscheitel, Sommerkleid, ein hübsches Schleifchen im Haar, Blumen in der Hand, vorwiegend Rosen in verschiedenen Farben. Aber auch Lilien. Was noch stärker irritiert, ist der Blick des Mädchens. Er ist seltsam ernst, streng, ausgehöhlt. So als sei jede Leichtigkeit aus ihrem Leben verschwunden.
Das Foto hängt draußen, vor der Oper, als Plakat für die – man höre und staune – Leipziger Erstaufführung von Alban Bergs «Lulu» in der von Friedrich Cerha vervollständigten Fassung. Drinnen sehen wir das, was sich hinter diesem Foto verbirgt. Eine grausame Missbrauchsgeschichte. Erzählt in verwackelten, übereinanderstürzenden Bildern, ohne Ton und gerade deswegen umso eindrücklicher. Die Bilder, sie brauchen keine Worte, sie sind sprachmächtig genug. Sie zeigen, wiewohl rasend schnell, eindeutig, wie ein Mädchen von seinem Vater in den eigenen vier Wänden zur Prostitution gezwungen wird. Ein Mädchen von zwölf Jahren. Und sicher ist es kein Zufall, dass einer der Herren, die da für Sekundenbruchteile durchs Bild stapfen, jenem Mann ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Gesagt ist gesagt – das wird durch’s irre Lachen hinterher auch nicht besser: Die Figuren, die Gluck auf die Bühne stelle, seien so erhaben, dass sie klängen, «als würden sie Marmor scheißen», behauptet Amadeus in Miloš Formans Film. Das klingt durchaus nach Mozarts flottem Mundwerk. Doch dass er dies auch wirklich so gesagt hat, möchten wir bezweifeln. Denn...
Wer ist dieser Blaubart mit seinen sieben verschlossenen Türen, seinen blutbesudelten Waffen und seinen untoten Ex-Frauen? Ein Psychopath oder ein ganz normaler Typ? Trägt Judith an allem die Schuld, weil sie zu viele Fragen stellt? Sind wir gar alle ein bisschen Blaubart? Mit Janáćeks «Schlauem Füchslein», seiner ersten abendfüllenden Operninszenierung an La...
Gefühlt hätte der Stoff für zwei, drei Opern gereicht. Doch Rodolphes Vernarrtheit in Agnès, die seinen Bruder heiraten muss, das Auffliegen dieser Liebe, Rodolphes Verbannung – all das geschieht im ersten Akt von Gounods «Nonne sanglante». Da gespenstert die blutige Gottesbraut noch gar nicht durch die Gänge. Agnès soll als besagte Nonne verkleidet fliehen....
