Geisterstunde

Die Stiftung Palazzetto Bru Zane feiert in Paris Charles Gounod – mit dem Schauerstück «La Nonne sanglante» und einem etwas anderen «Faust»

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Gefühlt hätte der Stoff für zwei, drei Opern gereicht. Doch Rodolphes Vernarrtheit in Agnès, die seinen Bruder heiraten muss, das Auffliegen dieser Liebe, Rodolphes Verbannung – all das geschieht im ersten Akt von Gounods «Nonne sanglante». Da gespenstert die blutige Gottesbraut noch gar nicht durch die Gänge. Agnès soll als besagte Nonne verkleidet fliehen. Stattdessen läuft Rodolphe der echten in die Arme und macht versehentlich der falschen Versprechungen.

Fortan muss er allmitternächtlich quality time mit ihr verbringen – dabei wird durch den Tod des Bruders gerade Agnès wieder frei. Loswerden kann Rodolphe den unheiligen Geist aber nur, wenn er seinen Vater, den Grafen Luddorf, meuchelt, der die Nonne (dessen Ex) einst ermordete. Rodolphe schafft’s nicht, wird abermals gejagt. Zum Glück läuft der von Reue geplagte Vater ins eigentlich für Rodolphe reservierte Messer. Ende gut, alles gut!

Gegen Matthew Gregory Lewis’ Schauerroman «Der Mönch» ist das noch nichts – dort liefert die Nonnen-Episode, aus der Eugène Scribe (eigentlich für Berlioz) das Libretto fertigte, lediglich einen Nebenstrang. 1854 kam Gounods Vertonung an der Pariser Opéra heraus, wurde jedoch nach nur elf ...

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Opernwelt August 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Wiebke Roloff

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