Geisterstunde
Gefühlt hätte der Stoff für zwei, drei Opern gereicht. Doch Rodolphes Vernarrtheit in Agnès, die seinen Bruder heiraten muss, das Auffliegen dieser Liebe, Rodolphes Verbannung – all das geschieht im ersten Akt von Gounods «Nonne sanglante». Da gespenstert die blutige Gottesbraut noch gar nicht durch die Gänge. Agnès soll als besagte Nonne verkleidet fliehen. Stattdessen läuft Rodolphe der echten in die Arme und macht versehentlich der falschen Versprechungen.
Fortan muss er allmitternächtlich quality time mit ihr verbringen – dabei wird durch den Tod des Bruders gerade Agnès wieder frei. Loswerden kann Rodolphe den unheiligen Geist aber nur, wenn er seinen Vater, den Grafen Luddorf, meuchelt, der die Nonne (dessen Ex) einst ermordete. Rodolphe schafft’s nicht, wird abermals gejagt. Zum Glück läuft der von Reue geplagte Vater ins eigentlich für Rodolphe reservierte Messer. Ende gut, alles gut!
Gegen Matthew Gregory Lewis’ Schauerroman «Der Mönch» ist das noch nichts – dort liefert die Nonnen-Episode, aus der Eugène Scribe (eigentlich für Berlioz) das Libretto fertigte, lediglich einen Nebenstrang. 1854 kam Gounods Vertonung an der Pariser Opéra heraus, wurde jedoch nach nur elf ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
59. Jahrgang, Nr 8
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752314
Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
redaktion@opernwelt.de
www.der-theaterverlag.de/opernwelt
Redaktion
Jürgen Otten, Albrecht Thiemann (V. i. S. d. P.)
Redaktionsbüro
Andrea Kaiser...
Die Vorstellung ist nicht ohne Charme: Dido als Adonis. Noch 1726, als Leonardo Vinci seine Vertonung des Metastasio-Librettos auf die Bretter brachte, gehörte es in Rom zum guten Ton, dass sämtliche Partien inklusive der designierten Frauenrollen mit vokal potenten Männern besetzt wurden. Und so kam es, dass der Superkastrat Domenico Giacinto Fontana alias...
Schönes Foto. Es zeigt, schwarz-weiß in der einen, gelb durchstochen in der anderen Diagonale, die Büste eines Mädchens: etwa zwölf Jahre alt, Lockenkopf mit Seitenscheitel, Sommerkleid, ein hübsches Schleifchen im Haar, Blumen in der Hand, vorwiegend Rosen in verschiedenen Farben. Aber auch Lilien. Was noch stärker irritiert, ist der Blick des Mädchens. Er ist...
