Beziehungszauber

Will Humburg analysiert mit scharfem Blick Leitmotivik und Orchestration in Wagners «Rheingold»

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Über Jesus Christus und Richard Wagner, heißt es, seien so viele Texte geschrieben worden wie sonst über keine anderen historischen Figuren. Ob das stimmt, bleibe dahingestellt. Aber als Religionsstifter eigener Art hat Wagner jedenfalls durchaus fungiert. Entsprechend polarisierend war die Rezeption zwischen Verklärung und Verteufelung von der Mitte des 19.Jahrhunderts bis heute. Auch die schier ozeanische Fülle an Literatur erhält immer wieder neue Schübe.

Wobei natürlich die (politischen) Positionen zeitbedingt wechseln: Gehörte etwa Wagner-Verehrung noch bis in die 1970er-Jahre zum Fundus der Rechten (man denke an den Sturmlauf gegen den «Jahrhundertring» von Pierre Boulez und Patrice Chéreau 1976 in Bayreuth), so dürfte es unter NPD- oder AFD-Anhängern kaum mehr passionierte Wagnerianer geben. Trotzdem dominieren nach wie vor historisch-politische und ideologiekritische Auseinandersetzungen den Diskurs: Wagner, Hitler und die Folgen, das bleibt ein unabgegoltenes Thema, bei dem Wagners manischer Antisemitismus nicht zu beschönigen ist.

Folgerichtig ist der überwiegende Teil der jüngeren Wagner-Literatur, wie auch die Bücher von Alex Ross («Die Welt nach Wagner») und Herfried ...

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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: BUCH des Monats, Seite 33
von Gerhard R. Koch

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