Beziehungszauber
Über Jesus Christus und Richard Wagner, heißt es, seien so viele Texte geschrieben worden wie sonst über keine anderen historischen Figuren. Ob das stimmt, bleibe dahingestellt. Aber als Religionsstifter eigener Art hat Wagner jedenfalls durchaus fungiert. Entsprechend polarisierend war die Rezeption zwischen Verklärung und Verteufelung von der Mitte des 19.Jahrhunderts bis heute. Auch die schier ozeanische Fülle an Literatur erhält immer wieder neue Schübe.
Wobei natürlich die (politischen) Positionen zeitbedingt wechseln: Gehörte etwa Wagner-Verehrung noch bis in die 1970er-Jahre zum Fundus der Rechten (man denke an den Sturmlauf gegen den «Jahrhundertring» von Pierre Boulez und Patrice Chéreau 1976 in Bayreuth), so dürfte es unter NPD- oder AFD-Anhängern kaum mehr passionierte Wagnerianer geben. Trotzdem dominieren nach wie vor historisch-politische und ideologiekritische Auseinandersetzungen den Diskurs: Wagner, Hitler und die Folgen, das bleibt ein unabgegoltenes Thema, bei dem Wagners manischer Antisemitismus nicht zu beschönigen ist.
Folgerichtig ist der überwiegende Teil der jüngeren Wagner-Literatur, wie auch die Bücher von Alex Ross («Die Welt nach Wagner») und Herfried ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: BUCH des Monats, Seite 33
von Gerhard R. Koch
arte
05.12. – 17:40 Uhr
Concerto per Milano
Es ist eine Institution: Jeden Sommer wird das «Concerto per Milano» auf dem Platz vor der prächtigen Kulisse des Mailänder Doms aufgeführt – bei freiem Eintritt. Die Filarmonica della Scala di Milano unter Chefdirigent Riccardo Chailly spielt Tschaikowskys «Capriccio italien» op. 45 und die erste Suite aus dem Ballett...
Der Plan war stimmig: Pünktlich zum 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens wollte Glyndebourne im vergangenen Jahr eine Neuinszenierung von dessen einziger Oper «Fidelio» herausbringen – in der Regie von Frederic Wake-Walker, dirigiert von Festivaldirektor Robin Ticciati. Doch daraus wurde aus hinlänglich bekannten Gründen nichts. Nun, ein Jahr später, bildete die...
Zahlreiche Uraufführungen und Theaterskandale hat das Théâtre des Champs-Élysées im teuersten Quartier von Paris einst gesehen, so etwa Strawinskys «Sacre»-Ballett mit Vaslav Nijinsky. Heute ist das Theater ein Spielort des internationalen Konzertbetriebs und exquisiter Opernprodukionen, häufig aus dem Segment der historischen Aufführungspraxis.
Claude Debussys...
