Am Kern vorbei
Der Plan war stimmig: Pünktlich zum 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens wollte Glyndebourne im vergangenen Jahr eine Neuinszenierung von dessen einziger Oper «Fidelio» herausbringen – in der Regie von Frederic Wake-Walker, dirigiert von Festivaldirektor Robin Ticciati. Doch daraus wurde aus hinlänglich bekannten Gründen nichts. Nun, ein Jahr später, bildete die Produktion – allerdings mit einem neuen Cast und einem anderen Dirigenten – die Eröffnung des Herbstfestivals.
Im Gegensatz zu den beiden anderen Stücken, die bei dieser Gelegenheit als Wiederaufnahmen präsentiert wurden – Gaetano Donizettis «Don Pasquale» und Igor Strawinskys «The Rake’s Progress» – zeigte man «Fidelio» jedoch nur in Glyndebourne selbst.
Wake-Walkers Regiearbeit mutet an wie eine substanziell-bildmächtige Rückbesinnung auf das Original, allerdings mit einem zentralen Unterschied: Bis auf ein, zwei Ausnahmen sind die originalen Dialoge durch einen englischsprachigen Text ersetzt, den der Regisseur gemeinsam mit seinem Assistenten Peter Cant und Gertrude Thoma, der Darstellerin der (als Figur hinzuerfundenen) «Estella», verfasst hat. Meist sitzt diese Estella am Rand der riesigen, käfigartigen Bühne (Anna ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Panorama, Seite 52
von George Hall
Diese Aufführung ist ein Angriff auf alle Sinne. Wer Bertolt Brechts Lehrstück aus dem Jahr 1939 für politisch überholt und seine Vertonung durch Paul Dessau aus dem Jahr 1951 für musikalisch blass hielt, wird durch die Stuttgarter Inszenierung eines Besseren belehrt. Aktuell ist «Die Verurteilung des Lukullus», die bei ihrer Uraufführung an der Ost-Berliner...
arte
05.12. – 17:40 Uhr
Concerto per Milano
Es ist eine Institution: Jeden Sommer wird das «Concerto per Milano» auf dem Platz vor der prächtigen Kulisse des Mailänder Doms aufgeführt – bei freiem Eintritt. Die Filarmonica della Scala di Milano unter Chefdirigent Riccardo Chailly spielt Tschaikowskys «Capriccio italien» op. 45 und die erste Suite aus dem Ballett...
Überbeschäftigt?
Zuletzt sahen wir von Regisseur Johannes Erath Gounods «Faust» und Saariahos «L'Amour de loin» in Köln sowie Verdis «La traviata» in Hamburg und Mozarts «Le nozze di Figaro» in Dresden. Doch: Lebt es sich als viel gefragter Künstler gut «aus dem Koffer»? Und wie martert man sich wirklich treffende Regie-Ideen entlang der Stoffe mehrmals im Jahr aus...
