Am Kern vorbei

Beethoven: Fidelio
GLYNDEBOURNE | AUTUMN 2021 TOUR

Der Plan war stimmig: Pünktlich zum 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens wollte Glyndebourne im vergangenen Jahr eine Neuinszenierung von dessen einziger Oper «Fidelio» herausbringen – in der Regie von Frederic Wake-Walker, dirigiert von Festivaldirektor Robin Ticciati. Doch daraus wurde aus hinlänglich bekannten Gründen nichts. Nun, ein Jahr später, bildete die Produktion – allerdings mit einem neuen Cast und einem anderen Dirigenten – die Eröffnung des Herbstfestivals.

Im Gegensatz zu den beiden anderen Stücken, die bei dieser Gelegenheit als Wiederaufnahmen präsentiert wurden – Gaetano Donizettis «Don Pasquale» und Igor Strawinskys «The Rake’s Progress» – zeigte man «Fidelio» jedoch nur in Glyndebourne selbst.

Wake-Walkers Regiearbeit mutet an wie eine substanziell-bildmächtige Rückbesinnung auf das Original, allerdings mit einem zentralen Unterschied: Bis auf ein, zwei Ausnahmen sind die originalen Dialoge durch einen englischsprachigen Text ersetzt, den der Regisseur gemeinsam mit seinem Assistenten Peter Cant und Gertrude Thoma, der Darstellerin der (als Figur hinzuerfundenen) «Estella», verfasst hat. Meist sitzt diese Estella am Rand der riesigen, käfigartigen Bühne (Anna ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Panorama, Seite 52
von George Hall

Weitere Beiträge
Das Licht in ihrem Dunkel

Wie das Wetter war? Vermutlich eisig. Vielleicht blinzelte an diesem 3. November 1843 in Sankt Petersburg hier und da mal die Sonne durch die grauen Ritzen, die Temperaturen dürften aber eher unter null Grad gelegen haben. Zumindest draußen. Drinnen jedoch, im Bolschoi Theater, glühte es, und das nicht nur der bullernden Heizung wegen. Nein, es war jene Dame, die...

Ein Lehrstück für die Sinne

Diese Aufführung ist ein Angriff auf alle Sinne. Wer Bertolt Brechts Lehrstück aus dem Jahr 1939 für politisch überholt und seine Vertonung durch Paul Dessau aus dem Jahr 1951 für musikalisch blass hielt, wird durch die Stuttgarter Inszenierung eines Besseren belehrt. Aktuell ist «Die Verurteilung des Lukullus», die bei ihrer Uraufführung an der Ost-Berliner...

Ein Stück Hoffnung

Die Geschichte ist, nun ja, etwas seltsam: Ein eifersüchtiger Pastor trifft auf einen schwächlichen Nebenbuhler, der vom jähzornigen Schwiegervater getötet wird, die untreue Gattin bittet ihren frisch geschiedenen Ex-Mann um eine Beichte, und am Ende steht das christliche Verzeihen, wovon wiederum der getötete Liebhaber herzlich wenig hat. Schon 1850, während der...