Bewegte, klingende Stille

Zum 75. Geburtstag des großen Musiktheater-Schaffenden Christoph Marthaler

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Ob er den Roman kennt? Es steht zu vermuten. Dessen Protagonist John Franklin liegt ihm nahe, dieser seltsame Polarforscher, der sich von nichts und niemandem aus der Ruhe bringen lässt und schließlich genau dadurch zum Ziel gelangt. Sten Nadolnys fiktive Geschichte dieses Mannes wurde unter dem Titel «Die Entdeckung der Langsamkeit» 1983 zu einem Bestseller, vermutlich gerade deswegen, weil etwa in dieser Zeit jener technizistische Wahn anfing, dessen zweifelhafte Resultate wir heute bestaunen dürfen.

Christoph Marthaler hat sich davon nie beeindrucken, geschweige denn einschüchtern lassen. Er hatte die Langsamkeit schon entdeckt, als andere noch glaubten, darin ein Defizit sehen zu müssen. Und er ist ihr, als ästhetische Erscheinung, bis heute treu geblieben. Als ein Beleg mag sein Mahler-Abend «Die Unruhenden» an der Hamburgischen Staatsoper zu Beginn des Jahres gelten. Man konnte den Eindruck gewinnen, dass all das, was die Protagonistinnen und Protagonisten dort auf der Bühne «veranstalteten», noch gemütlicher, behäbiger, stockender vor sich ging als sonst. Und dadurch irgendwie noch intensiver.

Jeder Satz, jede Geste, jede mimische, körperliche Aktion wurde in Mega-Zeitlupe ...

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Opernwelt September/Oktober 2026
Rubrik: Magazin, Seite 99
von Jürgen Otten

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