Besessen
Peter Eötvös‘ pausenlose, knapp zweistündige, im Sommer letzten Jahres in Glyndebourne uraufgeführte Oper «Love and other Demons» (siehe OW 9-10/2008) reduziert Gabriel García Márquez‘ 1994 veröffentlichten Roman «Von der Liebe und anderen Dämonen» auf sein Gerüst: Sierva wird an ihrem zwölften Geburtstag von einem tollwütigen Hund gebissen. Obwohl es keine Krankheitssymptome aufweist, hält man das Mädchen wegen seiner Temperamentsausbrüche und einer lebhaften, zwischen Wahrheit und Lüge nicht unterscheidenden Fantasie für vom Teufel besessen.
Im Kloster gefangen gehalten, wird Sierva einem tödlich endenden Exorzismus unterzogen.
Eötvös geht von einem magischen, 18 Töne umfassenden Celesta-Thema aus, das den Namen Sierva Maria Todos Los Angeles wörtlich in Töne umsetzt, und komponiert eine mäandernde Musik: raffiniert instrumentierte Klangteppiche. In manchem Zwischenspiel oder in der weidlich auskomponierten Exorzismus-Szene steigert sie sich in blechgepanzerte Ekstasen hinein. Anklänge an Barockes und Film-Musik (Hitchcocks «Psycho» etwa) und verfremdete Kirchenglocken schaffen eine düster pulsierende Atmosphäre. Da bei der deutschen Erstaufführung in Chemnitz das Orchester nicht ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es ist nicht überliefert, ob Giuseppe Verdi Otto Nicolais Oper «Die lustigen Weiber von Windsor» gekannt hat, die zur Zeit der Arbeit am «Falstaff» erstmalig auf italienischen Spielplänen erschien. Dennoch sind die Wege der beiden Komponisten auf merkwürdige Weise miteinander verbunden. Beide begannen ihre Laufbahn als Opernkomponisten im gleichen Jahr 1839 in...
Der Starkult, den die Klassikindustrie seit Jahren immer unbedenklicher pflegt, kreist vor allem um Glanz und Glamour. Für Sängerinnen bedeutet dies: Nur wer sich im Model-Look vermarkten lässt, nur wer im Fernsehen oder in der Werbung auftaucht, spielt ganz oben mit. Doch wo viel Licht (und noch mehr Geld) ist, gibt es bekanntlich auch viel Schatten. Die zur...
Neues Musiktheater ist selten lustig. Im Raumklang findet Lachen keinen Platz. Deswegen gebührt der japanischen Komponistin Misato Mochizuki allein schon dafür Dank, dass sie ihrer ersten Beschäftigung mit dem Musiktheater ein heiter-witziges, zugleich mit etwas tieferer Bedeutung ausgestattetes Libretto zugrunde legt. Der Titel ihrer Kammeroper klingt...
