Wagner: Das Rheingold
Eine ziemlich degenerierte Gesellschaft sind sie schon, diese Götter: Wotan, der ständig abwiegelnde smarte Schwächling; Fricka, sein moralinsaures Eheweib; Donner, der aufbrausende Hohlkopf; Froh, der eitle Fant.
Anthony Pilavachi arbeitet, zum Teil in zusätzlich eingefügten stummen Begegnungen, mit seinen Darstellern scharfe Charakterporträts heraus und führt sie in oft amüsantem szenischen Geplänkel zu einer Art Walhall-Soap zusammen, ohne dass es ihm und seinem Bühnenbildner Momme Röhrbein jetzt schon gelänge, einen greifbaren Ansatz zu einer interpretatorischen und optischen Gesamtkonzeption der Tetralogie deutlich werden zu lassen – wie sie etwa (um im norddeutschen Vergleichsbereich zu bleiben) Kirsten Harms vor einigen Jahren in ihrem Kieler «Ring» von Anfang an stringent hatte durchblicken lassen. Immerhin, Lübeck hat mit diesem «Rheingold» ein kurzweiliges musikalisches Fast-Boulevardstück im Programm mit überraschenden Bild-Erfindungen (wie dem aus der «Götterdämmerung» vorweggenommenen Auftritt der Nornen oder dem realen Auftauchen des Schwertes Nothung zum ersten Erklingen seines Motivs), allerdings auch einem so danebengehenden Einfall wie dem der «kleinen Brünnhilde», die – blond gelockt und mit Schwanenflügelhelm – Erdas Warnung an Wotan zu süßlichem Kitsch verhilft. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wenn zum Jubiläum eines Orchesters vier voneinander unabhängige Buchpublikationen auf den Markt kommen, muss es sich um einen besonderen Klangkörper handeln. Quod erat demonstrandum, sind es doch die Berliner Philharmoniker, die auf eine hundertfünfundzwanzigjährige Erfolgsgeschichte zurückblicken. Viel mehr als ihren Anlass haben die Bücher allerdings kaum...
Paul McCreesh gab anlässlich seiner Einspielung von «Paride ed Elena» jüngst der Hoffnung Ausdruck, Gluck möge in zehn Jahren so beliebt sein wie Händel heute. Tatsächlich erlebt der Opernreformator auf Bühnen, Symposien und CD wieder einmal ein Hoch in seiner höchst wechselhaften Konjunkturkurve. Da passt es zum Trend, dass sich Alexander Stoehr und die Neue...
Ivor Bolton hat vor allem als Barockspezialist Karriere gemacht – an Orgel und Cembalo sowie am Dirigentenpult. Seine Interpretationen zeichnen sich heute durch einen eminent persönlichen Stil aus. Er ist weit davon entfernt, bloß die jüngsten Erkenntnisse der historischen Aufführungspraxis zu exekutieren. Glucks «Iphigénie en Tauride» hat Bolton schon oft...
