Auf Flügeln in den Untergang
Dass skandinavische Wagner-Stimmen die besten seien, ist ein Klischee. Oder? Zum Abschluss der Stockholmer «Ring»-Tetralogie mit «Götterdämmerung» (alias «Ragnarök») glaubt sich der Zugereiste in einen Jungbrunnen kraftschöpfender, so charaktervoller wie textverständlicher Wagner-Virtuosen versetzt.
Das liegt auch daran, dass Dirigent Gregor Bühl für die naturhaft aufschäumenden, optimistischen Untertöne des Stücks eine bewegliche, geradezu mendelssohneske Tonsprache findet. Bühl trägt die Sänger gleichsam auf Flügeln in den Untergang.
So entwickelt der jungenhaft keusche, fast biedere Siegfried von Lars Cleveman eine steile Aggressivität. Er verleiht dem Nachwuchsproblem Wotans Töne solch ehrlicher Empörung und sich aufbäumender Vergeblichkeit, dass darin der Götterniedergang großartig beschlossen scheint.
Hans-Peter König, ein entarteter Oberförster als Hagen, entfaltet sich grandios und noch gelassener, infam gutmütiger als unter Christian Thielemann in Bayreuth. Gabriel Suovanen ist ein erotisch konkurrenzfähiger Gunther, Lena Nordin (Gutrune) ein anrührend altes Mädchen, dem man noch einmal Hoffnung macht. Selbst Ketil Hugaas (Alberich) und Helene Ranada (Waltraute) ...
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