Auf Flügeln in den Untergang
Dass skandinavische Wagner-Stimmen die besten seien, ist ein Klischee. Oder? Zum Abschluss der Stockholmer «Ring»-Tetralogie mit «Götterdämmerung» (alias «Ragnarök») glaubt sich der Zugereiste in einen Jungbrunnen kraftschöpfender, so charaktervoller wie textverständlicher Wagner-Virtuosen versetzt.
Das liegt auch daran, dass Dirigent Gregor Bühl für die naturhaft aufschäumenden, optimistischen Untertöne des Stücks eine bewegliche, geradezu mendelssohneske Tonsprache findet. Bühl trägt die Sänger gleichsam auf Flügeln in den Untergang.
So entwickelt der jungenhaft keusche, fast biedere Siegfried von Lars Cleveman eine steile Aggressivität. Er verleiht dem Nachwuchsproblem Wotans Töne solch ehrlicher Empörung und sich aufbäumender Vergeblichkeit, dass darin der Götterniedergang großartig beschlossen scheint.
Hans-Peter König, ein entarteter Oberförster als Hagen, entfaltet sich grandios und noch gelassener, infam gutmütiger als unter Christian Thielemann in Bayreuth. Gabriel Suovanen ist ein erotisch konkurrenzfähiger Gunther, Lena Nordin (Gutrune) ein anrührend altes Mädchen, dem man noch einmal Hoffnung macht. Selbst Ketil Hugaas (Alberich) und Helene Ranada (Waltraute) ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Claude Debussys einzige Oper gehört mehr als hundert Jahre nach ihrer Entstehung noch immer zu den großen Herausforderungen des Musiktheaters. Jossi Wieler und Sergio Morabito haben in ihrer zuletzt in Stuttgart gezeigten Inszenierung (siehe OW 6/2007) das am «Kreuzungspunkt von alltäglicher Rede und depressivem Schweigen» (Julia Kristeva) angesiedelte Stück...
Der neue Leiter des Edinburgh Festivals, Jonathan Mills, hat in seiner ersten Saison prägnante Akzente gesetzt. Neben der Einführung des Schwerpunkts Alte Musik (der neue Zuhörer ins spätsommerliche Schottland lockte), verfolgte der Australier eine zentrale Programmschiene zum Thema «Vierhundert Jahre Oper». Sie begann mit einer klassizistischen Deutung von...
Als Siegerin ist Elina Garança eingezogen ins Theater ihrer Heimatstadt Riga. Auf zwei Tischen vor den seitlichen Parketteingängen standen gut und gern drei Dutzend gewaltige Blumensträuße mit den Glückwünschen und Grüßen all derer, die sich der Gunst der Sängerin versichern wollten. Im Parkett der scheidende und der designierte Chef der Wiener Staatsoper, der neue...
