Auf Flügeln in den Untergang

Stockholm, Wagner: Götterdämmerung

Opernwelt - Logo

Dass skandinavische Wagner-Stimmen die besten seien, ist ein Klischee. Oder? Zum Abschluss der Stockholmer «Ring»-Tetralogie mit «Götterdämmerung» (alias «Ragnarök») glaubt sich der Zugereiste in einen Jungbrunnen kraftschöpfender, so charaktervoller wie textverständlicher Wagner-Virtuosen versetzt.
Das liegt auch daran, dass Dirigent Gregor Bühl für die naturhaft aufschäumenden, optimistischen Untertöne des Stücks eine bewegliche, geradezu mendelssohneske Tonsprache findet. Bühl trägt die Sänger gleichsam auf Flügeln in den Untergang.

So entwickelt der jungenhaft keusche, fast biedere Siegfried von Lars Cleveman eine steile Aggres­sivität. Er verleiht dem Nachwuchsproblem Wotans Töne solch ehrlicher Em­pörung und sich aufbäumender Vergeblichkeit, dass darin der Götterniedergang großartig beschlossen scheint.
Hans-Peter König, ein entarteter Oberförster als Hagen, entfaltet sich grandios und noch gelassener, infam gutmütiger als unter Christian Thielemann in Bayreuth. Gabriel Suovanen ist ein erotisch konkurrenzfähiger Gunther, Lena Nordin (Gutrune) ein anrührend altes Mädchen, dem man noch einmal Hoffnung macht. Selbst Ketil Hugaas (Alberich) und Hele­ne Ranada (Waltraute) ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2007
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Kai Luehrs-Kaiser

Vergriffen
Weitere Beiträge
Sehnsucht nach dem «Draußen»

Ein Intendanz-Auftakt der leiseren, der eher unspektakulären Art: Tatjana Gürbacas Inszenierung von György Ligetis «Le Grand Macabre», mit der Generalintendant Hans-Joachim Frey als Nachfolger von Klaus Pierwoß seine Bremer Amtszeit beginnen lässt, verzichtet auf den Paukenschlag, der mit diesem so überschäumend vitalen Werk durchaus möglich gewesen wäre, und setzt...

Willkommen im Gefängnis der Ehe

Die Komische Oper bemüht sich neuerdings auffällig, Kontinuität in der Tradition ihres Hauses herauszustellen. Während man auf Symposien über die Gemeinsamkeiten von Calixto Bieito und Walter Felsenstein diskutieren lässt und der Pausengast um Bronzetafeln zur Geschichte des Hauses und die Büste des Gründers nicht mehr herumkommt, inszeniert Andreas Homoki jene...

Ein echter Allround-Künstler

Er war eine wahrhaft bühnensprengende Persönlichkeit. Wer den Bariton Thomas Tipton einmal live erlebt hat, wird sich nicht nur an seine machtvolle Stimme erinnern, sondern auch an sein überbordendes schauspielerisches Ausdrucksvermögen, das der Leidensfähigkeit eines Rigoletto oder eines Macbeth ebenso überzeugend gerecht wurde wie der abgründigen Bosheit eines...