Bebendes Verlangen
Polen ist bislang nicht als Zentrum für Alte Musik und genuine Aufführungspraxis bekannt gewesen. Doch das ändert sich. Gerade fiel der Countertenor Kacper Szelążek in Amsterdam bei der Aufführung von Stefano Landis Tragicommedia «Morte d’Orfeo» auf (siehe OW 5/2018). Nun hat sein Kollege Jakub Józef Orliński mit der Mezzosopranistin Natalia Kawałek, die regelmäßig am Theater an der Wien zu erleben ist, ein Album mit dem polnischen Originalklangensemble Il Giardino d’Amore herausgebracht.
Seit 2012 gibt es den «Garten der Liebe», gegründet wurde er von dem Geiger Stefan Plewniak, der die Musiker auch vom Konzertmeisterpult aus leitet.
Das Programm umfasst zwölf Soli und Duette aus Händel-Opern; das prägnante Coverfoto zielt ins thematische Zentrum der Werkauswahl: liebender Hass, hassende Liebe. «Enemies in Love» lautet der shakespearehafte Titel der CD. Orliński ist die dominierende Figur – kraft der reichen Qualität seines in allen Lagen ausgeglichenen Countertenors, der gut in der Höhe anspricht und natürlich in der Tiefe Kraft entwickelt; dazu kommen unglaublich lange Phrasen, leichtfüßige Koloraturen, wobei sich manchmal ein erregtes Zittern einstellt. Als Affektmittel hat ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Götz Thieme
Seit 1959 werden in den Vereinigten Staaten jedes Jahr die Grammy Awards verliehen. Und alle Jahre wieder ertönt zum großen Finale die Sage von den Musik-Oscars für das Beste aus Rock und Pop, Jazz und Klassik. Eine goldglänzende Grammophon-Trophäe der National Academy of Recording Arts and Sciences gilt vielen als höchster Qualitätsausweis, den professionelle...
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Zuerst ist alles wie immer im Wuppertaler Opernhaus. Der Nierentisch-Charme im Foyer bezaubert durch seine Sterilität, der Sekt ist süß und das Foyer-Team freundlich – nur dass sich diesmal einige junge Leute in schwarzen T-Shirts mit der Aufschrift «Support Team» untergemischt haben. Unterstützung beim Klettern, Mitspielen, Singen? So viel wird vom Publikum nicht...
