Forza Mozart!
Der eine ist 45, der andere knapp älter; über die Jahre juveniler Bilderstürmer sind sie beide eigentlich längst hinaus. Und beide, Jérémie Rhorer wie Teodor Currentzis, verströmen nicht nur jugendliches Flair inklusive der trotzig in die Stirn wirbelnden Haarsträhnen, sondern mischen als Mozart-Dirigenten zugleich das traditionelle Bild des gelassenen Klassikers ziemlich rücksichtslos auf.
Das tat freilich schon Nikolaus Harnoncourt – beide haben viel von dessen vertikal betonter Akzentuierungsweise übernommen, wie etwa Rhorers vorliegende Einspielungen von Mozarts «La clemenza di Tito» und «Don Giovanni» (Live-Aufnahmen aus dem Théâtre des Champs-Élysées) nahelegen. Zwar wirkt der Pariser «Titus» Rhorers nicht ganz so radikal wie die rabiate Interpretation des Griechen voriges Jahr in Salzburg. Doch treibt auch der Franzose mit Le Cercle de l'Harmonie den Furor dieser Musik voran, nicht zuletzt durch betont rhythmisches, genau artikuliertes Musizieren. Allerdings scheint sich Letzteres – nach etwas «harzigem» Beginn – erst peu à peu zu ergeben. Geduld also.
Kurt Streit, zum Zeitpunkt dieser Aufnahme ein Mittfünfziger, hat sein bisheriges Leben und Lieben vor allem Mozart ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Gerhard Persché
In der Gewohnheit ruhe das Behagen, fand Goethe. Damiano Michieletto kann dem Dichterfürsten in dieser Hinsicht wohl wenig abgewinnen; seine Inszenierungen suchen das Andere, Ungewohnte. So ließ er Puccinis «La Bohème» bei den Salzburger Festspielen teilweise in einem vermüllten Matratzenlager spielen, verortete Verdis «Falstaff» an gleichem Orte in der Mailänder...
Entdeckungen sind bei einem Komponisten wie Giacomo Puccini kaum mehr zu machen. Auch ein Frühwerk wie «Edgar» ist, wenngleich kein Repertoireknüller, leidlich bekannt, in Aufnahmen dokumentiert. In seiner dreiaktigen Gestalt. Doch die ist nicht das, was Puccini ursprünglich zu Papier gebracht hatte. Was, wenn «Edgar» nicht seine zweite Oper gewesen, sondern nach...
JUBILARE
Gwynne Howell stammt aus Wales. Seine Gesangsausbildung absolvierte er am Royal Northern College of Music. Nach seinem Debüt 1968 an der Sadler’s Wells Opera wechselte er 1970 ans Londoner Royal Opera House, wo er nahezu alle großen Basspartien sang und vor allem als Verdi- und Wagnerinterpret gefeiert wurde. Howell war regelmäßiger Gast an der English...
