Bayreuther Stücke

Wiederaufnahmen und Kinderoper, Provinzprobleme und ein wundes Wahnfried

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Katharina: die Provinz

Auf gut Fränkisch klingt das Wort wie eine Drohung: Brrroowinz. Der letzte Patriarch von Bayreuth hatte sich darin indes sehr wohl gefühlt. Denn Wolfgang Wagner, Alleingesellschafter der Bayreuther Festspiele, wusste, wie auch schon sein Großvater Richard, um die Vorzüge der Abgeschiedenheit von den Zentren. In der Provinz Erster zu sein, heißt schalten und walten zu können nach Herzenslust. Heißt, den eigenen Stern so hell und einsam erstrahlen lassen zu können, dass alles andere dagegen verblasst.

Die Kritiker sind weit weg, vor Ort gibt es nur Bewunderer. Über die Speichel­lecker und Katzbuckler schweigt des Kritikers Höflichkeit. Katharina Wagner hatte ihren Urgroßvater dagegen kurz vor Festspielbeginn im «Spiegel»-Interview verflucht ob seiner Ortswahl. Später korrigierte sie: Sie habe nur die Deutsche Bahn gemeint, die Bayreuth so sträflich vernachlässige. Dort aber brodelt es seitdem. Und wir fragen uns: Zeugt dieser Eklat tatsächlich von Provinz-Klaustrophobie? Oder eher medialer Ungeschicklichkeit? Oder einfach kriegerischer Lust an der Provokation? Oder latenter Verzweiflung an der bislang alles andere als strahlenden gemeinsamen Intendanz-Zeit mit ...

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Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Alexander Dick

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