Immer grüne Liebe
Die Stadt hat nur 28 000 Einwohner, und ihr akustisch mittelmäßiges Theater ist sehr klein. Trotzdem hat sich das vornehmlich für seine Weine aus der umliegenden Côte d’Or, im 19. Jahrhundert auch für seinen Senf berühmte Beaune zu einem Opernzentrum entwickelt. Und das seit dreißig Jahren. Weltberühmte Sänger, Dirigenten und Orchester treten in dem pittoresken Ort in Burgund auf. Viele CD-Einspielungen künden von seinem Ruhm. Der freilich ein sehr spezieller ist: In Beaune pflegte man schon die Barockoper, bevor sie sich die Bühnen zurückeroberte.
Als Aufführungsorte für die nur konzertant dargebotenen Produktionen dienen der hinreißende Innenhof des Hôtel-Dieu und die romanisch-gotische Basilika Notre Dame. Das ehemalige Armenspital von 1422, das noch bis in die siebziger Jahre aktiv genutzt wurde und auch ein Weingut ist, bietet mit seinen Fachwerkarkaden, schmiedeeisernen Giebeln und den typisch buntglasierten Ziegeln ein stimmungsvolles Ambiente für die weltlichen Musiktheaterwerke. In seinen Mauern kann man u. a. einen Rogier-van-der-Weyden-Altar mit dem «Jüngsten Gericht» bewundern und, wie an wenigen Orten sonst, die Geschichte der Krankenpflege studieren. Die geistlichen ...
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Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Magazin, Seite 93
von Manuel Brug
Abschied
Ein Jahr vor ihrem Tod haben wir in ihrem Dresdner Intendantenbüro zusammengesessen. Es ging um die Semperoper, um Christian Thielemann, den sie gerade als Chefdirigent für die Staatskapelle gewonnen hatte, um Gott und die Welt. So war es immer, wenn man mit Ulrike Hessler sprach. Auf Kritik konnte sie auch mal dünnhäutig reagieren, aber sie war nie...
Unterschiedlicher können Lebensschicksale nicht sein, als die von Lorenzo Da Ponte und Emanuel Schikaneder – dem 1749 im Juden-Ghetto des venezianischen Ceneda unter dem Namen Emanuele Conegliano geborenen Da Ponte und dem 1751 als Domestikensohn im bayerischen Straubing zur Welt gekommenen Schikaneder. Dass sie heute nicht vergessen sind, verdanken sie einzig...
Alte Dirigenten interessieren sich selten für die «Zauberflöte». Hans Knappertsbusch sprach es offen aus: Jedes Mal wenn er in Fahrt komme, müsse er wieder aufhören – wegen der endlosen Dialoge. So denken viele. Dann doch lieber den «Don Giovanni» mit seinem symphonischen Furor. Weil die «Zauberflöte» ein Singspiel ist, lässt sich bei ihr nur schwer herstellen, was...
