Immer grüne Liebe
Die Stadt hat nur 28 000 Einwohner, und ihr akustisch mittelmäßiges Theater ist sehr klein. Trotzdem hat sich das vornehmlich für seine Weine aus der umliegenden Côte d’Or, im 19. Jahrhundert auch für seinen Senf berühmte Beaune zu einem Opernzentrum entwickelt. Und das seit dreißig Jahren. Weltberühmte Sänger, Dirigenten und Orchester treten in dem pittoresken Ort in Burgund auf. Viele CD-Einspielungen künden von seinem Ruhm. Der freilich ein sehr spezieller ist: In Beaune pflegte man schon die Barockoper, bevor sie sich die Bühnen zurückeroberte.
Als Aufführungsorte für die nur konzertant dargebotenen Produktionen dienen der hinreißende Innenhof des Hôtel-Dieu und die romanisch-gotische Basilika Notre Dame. Das ehemalige Armenspital von 1422, das noch bis in die siebziger Jahre aktiv genutzt wurde und auch ein Weingut ist, bietet mit seinen Fachwerkarkaden, schmiedeeisernen Giebeln und den typisch buntglasierten Ziegeln ein stimmungsvolles Ambiente für die weltlichen Musiktheaterwerke. In seinen Mauern kann man u. a. einen Rogier-van-der-Weyden-Altar mit dem «Jüngsten Gericht» bewundern und, wie an wenigen Orten sonst, die Geschichte der Krankenpflege studieren. Die geistlichen ...
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Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Magazin, Seite 93
von Manuel Brug
Hier kocht der Chef. In der Welt der Küchenschlachten und Topfgeldjäger gilt dies als Referenz. Doch kann das gelegentlich auch schiefgehen – wenn nämlich der an sich zuständige Maître sich bei den Zutaten vergreift. Im übertragenen Sinne ist dies nun dem Wiener Stagione-Opern-Kulinarikum (das freilich über solch rein Kulinarisches meist hinauslangt) passiert, weil...
Katharina: die Provinz
Auf gut Fränkisch klingt das Wort wie eine Drohung: Brrroowinz. Der letzte Patriarch von Bayreuth hatte sich darin indes sehr wohl gefühlt. Denn Wolfgang Wagner, Alleingesellschafter der Bayreuther Festspiele, wusste, wie auch schon sein Großvater Richard, um die Vorzüge der Abgeschiedenheit von den Zentren. In der Provinz Erster zu sein,...
In den Festzelten füllen sich die Plastikbecher mit Kaltgetränken, die Luft ist warm, der Himmel blau, die Laune leicht. Das Thema aber ist schwergewichtig: Im Schatten der steilen Sandstein-Silhouette von Dom und Severikirche wird Verdis selten gespielte Kreuzzugs-Oper «I lombardi» gezeigt. Eine goldene Welle schwingt sich elegant über den Fuß der Freitreppe, eine...
