Barocke Gegenwelten
Der eine hatte die Stars, der andere das Können. Arg verkürzt ist das formuliert, birgt aber zwei, drei Körnchen Wahrheit. Nachdem Nicola Antonio Porpora das London der 1730er-Jahre betreten hatte, sorgte er für einen Spielertransfer und einen Aderlass. Senesino und Farinelli spektakelten fortan in seiner Truppe, Konkurrent Georg Friedrich Händel hatte das Nachsehen. Noch stärker entwickelte sich beider Opernkunst auseinander.
Bei den Salzburger Pfingstfestspielen war nun zu bestaunen, wie: Während Porpora stimmkundig und hemmungslos für die Barockauslage der Superstars schrieb, verfeinerte Händel seine Figurendramaturgie, die Mozart’schen Tiefgang, diese wissende Wahrhaftigkeit vorwegnahm.
Dabei hatte Cecilia Bartoli, die ihren Vertrag als künstlerische Leiterin gerade bis 2026 verlängert hat, eine andere Programmatik im Sinn. Um Kastraten, ihren Ruhm und ihren Missbrauch sollte es im diesjährigen Durchgang gehen, was in einer vierstündigen Konzert-Hitparade mit Gästen aus dem Counter-, Mezzo- und Sopranfach gipfelte. Weit spannender aber war die Opern-Konfrontation: Porporas «Polifemo» und Händels «Alcina» innerhalb von 24 Stunden, beide von einer tobenden Gala-Gemeinde ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Markus Thiel
Es könnte Zufall sein. Es könnte aber auch sein, dass Erich Wolfgang Korngolds (Alb)-Traumoper «Die tote Stadt» nach beinahe 100 Jahren Einsamkeit wieder vermehrt auf den Spielplänen zu finden ist, weil sie sich gewissermaßen a posteriori dem kühl-flüchtigen Rationalismus der Postpostmoderne mit flackernd surrealer Magie widersetzt. Und weil sie uns in jene Sphäre...
Allzu oft bekommt man ihn nicht zu sehen, den «Ring» an der Met. Im April und Mai traten Nibelungen, Götter und Kohorten nach sechsjähriger Pause wieder an. Am Pult stand mit Philippe Jordan ein in New York selten anzutreffender Gast. Zur gespannten Erwartung trug auch Michael Volle bei, der nach seinem Rollendebüt als Wanderer im ersten der beiden Met-Zyklen auch...
Nebel lastet auf Cornwall, tiefe Trübsal, auswegloser Schmerz. Schwer atmet die Musik, beinahe so, als wäre sie zu Eis erstarrt, als gäbe es kein Morgen mehr. Doch kein Orchester spiegelt, in den uns bekannten, chromatischen Seufzern, diese Tristesse, sondern ein Klavier. Und deswegen ist es eben auch nicht jener irische Küstenort, an dem, tödlich verwundet,...
