Seiner Zeit immer ein wenig voraus

Persönliche Erinnerungen an den Regisseur Graham Vick

Opernwelt - Logo

Als Graham Vick zum Ritter geschlagen wurde, fortan also «Sir» Graham hieß, war dies die Anerkennung einer außergewöhnlichen und staunenswerten Reise durch die Welt der Oper.

Unternommen hat sie ein Mensch, der die Kunst liebte und leidenschaftlich an ihre ständige Wiedererfindung glaubte; ein Regisseur, der in erster Linie Musiker war, sodass jede Entscheidung, die er traf, zum Wohl und aus dem Geiste der Musik getroffen wurde; ein über die Maßen empathiefähiger Mann, der das Beste sowohl aus Stars als auch aus Newcomern herauszuholen vermochte, jeden Akteur, und sei es der Chorist in der letzten Reihe, im persönlichen Gespräch zu motivieren wusste und somit stets das Optimum an künstlerischen Möglichkeiten erreichte. Auch sämtliche Orchestermusiker kommunizierten kontinuierlich mit Graham.

Partituren kannte Graham auswendig. Er forderte Solisten, Orchestermusiker und Dirigenten auf, tief in die Musik der jeweiligen Opern einzutauchen – was Phrasierung, Spieltechnik und Stimmfarbe betraf. Ich hatte das große Glück, etwa 20 Bühnenwerke mit ihm zu erarbeiten, und kaum ein Tag verging, an dem ich nicht irgendetwas von ihm lernte. Sein Arbeitsethos war unglaublich. Drei Proben pro ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2021
Rubrik: Abschied, Seite 87
von Simon Halsey

Weitere Beiträge
Grenzenlos schön

Eine Stimme, die singt – nichts weiter. Aber was und wie sie singt, verführt in Luciano Berios abstrakt-wortlosem akustischem Theater «Sequenza III» den Hörer. Töne entstehen aus Mundgeräuschen, verschwinden, überlagern sich, die Palette der Laute reicht vom Stöhnen und Keuchen, Lallen und Schnalzen, Flüstern und Schreien, Lachen und Weinen bis zum Sprechen und...

Apropos... Autonomie

Frau Parton, hat Ihr Heimatland Großbritannien durch den Brexit eine höhere Autonomie erlangt, oder ist das ganze Gegenteil der Fall?
Der Brexit ist eine Katastrophe, nicht nur politisch, sondern auch für die Kunst, insbesondere die Oper. Nichts ist seither leichter geworden, im Gegenteil: Die Situation für britische Künstler hat sich signifikant verschlechtert....

Genialer Erstling

Mit Lullys «Cadmus et Hermione» begann die Geschichte der Tragédie en musique, der großen französischen Oper. Jean-Baptiste Lully und sein Textdichter Philippe Quinault vereinigten 1673 mehrere Theatergenres zu einer neuen Gattung, die sich in Frankreich rund 100 Jahre zu behaupten vermochte.

Die klassische Tragédie en musique, ein alle Register der Bühnenkunst...