Belcanto im Dienste des Ausdrucks

Lied-Recitals mit Anna Bonitatibus und Teresa Berganza

Nach «Guillaume Tell» (1829) hat Rossini bekanntlich keine Opern mehr geschrieben und sich ins Privatleben zurückgezogen. Er fühlte sich künstlerisch ausgebrannt und wurde von verschiedenen Krankheiten geplagt. In den fast vier Jahrzehnten, die ihm noch zu leben blieben, betrieb er das Komponieren nur noch als Liebhaberei, schrieb neben geistlicher Musik zahlreiche Klavierstücke und Lieder, die auch heute noch aufgeführt werden. Die Gesänge aus den «Soirées musicales» hat jeder italienische Sänger, der auf sich hält, im Repertoire, und «La danza» ist zum Schlager geworden.

Dass es beim späten, beim «Salon»-Rossini, auch noch Entdeckungen zu machen gibt, zeigt das vorliegende Album der Mezzosopranistin Anna Bonitatibus, die sich wie ihre Kollegin Cecilia Bartoli nicht damit zufriedengibt, ihre Virtuosenkünste unter Beweis zu stellen, sondern selbst nach Unbekanntem sucht und forscht. Die Ausbeute ist in diesem Falle ansehnlich.

«Mi lagnerò tacendo» auf einen Text von Metastasio ist hier in nicht weniger als sieben verschiedenen Versionen zu hören. Als «Arietta all’antica» erschien sie 1835 erstmals im Druck, in den nächsten zwei Jahrzehnten nahm sich Rossini mehrmals erneut des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Medien/CDs, Seite 18
von Ekkehard Pluta

Weitere Beiträge
Französische Opernraritäten

Pierre-Alexandre Monsigny (1729-1817) und André-Modeste Grétry (1741-1813) waren maßgeblich an der Verbürgerlichung der französischen opéra comique beteiligt. In seinem wohl populärsten Werk, dem 1769 uraufgeführten «Déserteur», hat Monsigny die Form um Elemente des Rührstücks bereichert, der Dramaturgie wie der Musik gänzlich neue Wege erschlossen und damit das...

Kitsch as Kitsch can

«Adriana Lecouvreur» wurde 1902 in Mailand uraufgeführt, bevor sie zwei Jahre später in einer ersten Produktion an der Royal Opera Covent Garden zu erleben war. Die letzte dortige Aufführung vor David McVicars aktueller Neuproduktion datiert, man höre und staune, in das Jahr 1906 zurück. Überhaupt war «Adriana Lecouvreur», abgesehen von gelegentlichen Gastspielen...

Séance mit Wagner

Eine Frau nachts im Museum. Sie sitzt unter einem Murillo-Bild mit dem Tod Marias, über dem der Maler auf einer weiteren Leinwand deren Himmelfahrt gestaltet hat. Sie ist versunken in sich, in einem dunklen Mantel überm schlichtgrünen Kleid, krümmt sich auf einem altmodischen Stuhl zusammen, starrt ins Nichts. Wir starren auf sie, hinter einer Absperrung, im...