Aussagekräftige Visitenkarten
Einmal im Jahr steht die Oper splitternackt da. Dann kann sie sich nichts mehr in die Tasche lügen. Wenn der Jahres- bzw. Saisonhaushalt durchkalkuliert wird, regieren blanke Zahlen. Längst ähnelt die Oper einem Wirtschaftsunternehmen. In trüben Zeiten sind Ideen begehrt, wo man wieder ein paar Euros einsparen kann. Oder, umgekehrt, wie man sich noch etwas dazu verdienen könnte. Etwa mit DVDs? «Sie sind grosso modo budgetneutral», konstatierte im Juli Alexander Pereira, Zürichs umworbener, aber treuer Hausherr, in einem Interview mit der «NZZ». Er muss es wissen.
Denn kaum ein anderes Haus füttert den Markt mit so vielen DVD-Produktionen wie die Oper Zürich. Jahrelang habe er, Pereira, versucht, Fernsehanstalten für Opern-Übertragungen made in Zürich zu begeistern – Fehlanzeige. Erst als sich das ZDF für eine Aufführung der «Belle Hélène» interessierte, kam Bewegung in die Sache. Denn Pereira verzichtete kurzerhand auf das seinem Haus angebotene Sümmchen – unter der Bedingung, dass man den «Figaro» unter Harnoncourt gleich mit aufzeichne. Für Pereira sind DVD-Produktionen ein «Puzzle, bei dem verschiedene Partner – Fernsehanstalten, Produzenten, allenfalls private Sponsoren – ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Keinen Zweifel lassen der kanadische Dirigent Yves Abel und Stephen Medcalf, in vielen Inszenierungen ein Meister der psychologisch raffinierten Aussparung, an der Brutalität der Novelle Mérimées, die von Bizet keineswegs in jenen süßlichen Kitsch pseudospanischer Folklore übersetzt wurde, wie eine lange (schlechte) Tradition es gern sieht. Bizet komponiert Szenen...
Eine Mikrofonstimme hatte James King, der in diesem Jahr achtzig Jahre alt wurde, nie. Wer live erlebt hat, wie er etwa die große Szene des Kaisers in Strauss‘ «Frau ohne Schatten» aufbaute und steigern konnte – und zwar steigern im Sinne einer immer intersiver sich im Raum ausbreitenden, unforcierten Klangfülle –, der weiß, dass ein Mikrofon dergleichen nie...
Am Cembalo spielt er Bach und Scarlatti, doch als Operndirigent hat es Christophe Rousset auf Raritäten abgesehen: Mit besonderer Vorliebe widmet sich der Franzose dem Musiktheater des Rokoko und verortet Ausgrabungen wie Tommaso Traettas «Antigona» und zuletzt an der Leipziger Oper Johann Christian Bachs «Temistocle» im Spannungsfeld zwischen später Opera seria,...
