Ausgezaubert
Gegen Ende findet Oronte doch noch sein Glück, Gyula Rab singt vom «momento di contento». Das macht er sehr schön, allerdings ist der Gute etwas abgelenkt, er wäscht dabei nämlich sein Auto, das von der Unterbühne nach oben gelangte. Ob also das Glück, das er nun empfindet, tatsächlich von dem Wiederfinden der Liebe zu Morgana herrührt, darüber kann man zweifeln, ist ihm doch das Fahrzeug wichtiger, obwohl die beiden einen Kinderwagen schieben.
Auf jeden Fall sind sie ein hübsch spießig gekleidetes Paar, Rab und Andreja Zidaric, die zuvor als aufreizendes Wesen mit pointierender Stimme über die Bühne schlängelte.
Zuvor war man zu Gast auf Alcinas Eiland. Händels letzter großer Opernhit spielt ja auf dieser Insel, wo die Titelheldin Menschen in Tiere oder Landschaften verwandelt und Ruggiero als ihren Geliebten hält. Bradamante, seine Frau, sucht ihn, unterstützt von Melisso, Morgana, Alcinas Schwester, verliebt sich auf den ersten Blick in die als Mann reisende Bradamante. Dann gibt es noch den eifersüchtigen Oronte sowie den jungen Oberto, der seinen in einen Löwen verwandelten Vater sucht. Man kennt das, «Alcina» wird oft gespielt, wie jetzt am Münchner Gärtnerplatztheater. Oft ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2025
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Egbert Tholl
Zu den erstaunlichen Aspekten dieses in vielfacher Hinsicht erstaunlichen Stücks gehört, dass es von einem jungen Mann geschrieben wurde. «Guercœur» mutet in vielem an wie ein opus summum. Albéric Magnard war aber Mitte Dreißig, als er daran arbeitete. Eine Tragédie en musique nennt er sein zwischen 1897 und 1900 entstandenes Werk, knüpft damit ans barocke...
Man sieht es und staunt: Der männliche Titelheld ist verdoppelt, also stirbt er auch zweimal. Während Tristan eins, singender (Privat-?)Patient einer Luxusklinik, exakt an der vom Komponisten bezeichneten Stelle ins Jenseits wandert, beobachtet sein Schauspiel-Double vom Rollstuhl aus dessen Sterben wie ebenfalls Isoldes Liebestod. Erst dann gibt auch der...
Ins Labyrinth ihrer Obsession verstrickt erscheint die Titelheldin bereits in der Ouvertüre: Der Regisseur Christoph von Bernuth widersteht allen Fallstricken einer fast schon zur Routine gewordenen Idee, pantomimisch ganze Vorgeschichten zu erzählen. Stattdessen nur das hundertfach gespiegelte Wort Hippolyte – ein Irrgarten, in dem gleich in der ersten Szene das...
