Spiel mir das Lied vom Leben
Becketts Figuren sind ausnahmslos erschöpft und ausgelaugt Wartende, im Grunde ähneln sie den Figuren Tschechows. Der Unterschied liegt in der Perspektive. Während Tschechows Figuren auf etwas warten, das in der Zukunft liegt (aber nie erscheinen wird), warten Becketts Figuren nur noch auf das Ende. Sie haben jede Hoffnung, es würde sich in ihrem Leben noch etwas zum Guten, Richtigen, Schönen ändern, längst fahren lassen. Nur eines wollen und können sie noch: Sie wollen und sie können spielen. So wie beispielsweise Winnie, die 50-jährige Frau aus «Glückliche Tage».
Bis über die Taille hinaus steckt sie in einem Erdhügel, neben sich, auf dem Boden, einen schwarzen Ledersack als Einkaufstasche sowie einen zusammengeklappten Sonnenschirm. Diese «Accessoires» sehen wir nun, verteilt um den Souffleurkasten, in der Berliner Staatsoper, und auch Winnie gibt es, aber sie scheint irgendwie ins falsche Stück geraten zu sein. Gespielt wird ja augenscheinlich «Fin de partie», nicht «Glückliche Tage», und Winnie ist, wenngleich sie das Handicap der eingeschränkten Bewegungsfreiheit mit Nell teilt, an diesem Abend auch nicht Winnie, sondern die Darstellerin von Naggs Ehefrau; für sie hat György ...
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Opernwelt März 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Jürgen Otten
Letzter Halt vor Kairo. Die Karawane des unerbittlichen Sklavenhändlers Husca, unter dessen Beute sich auch der junge Franzose Saint-Phar und seine frisch angetraute Zé-lime befinden, wird von räuberischen Arabern attackiert, die der heldenhafte Europäer, der sich damit freikaufen wird, natürlich besiegt. André-Ernest-Modeste Grétry schreibt hier keinen unzählige...
Der Augenblick der Seligkeit, er währt nur wenige entrückte Minuten. Wie ein mondbeschienener Liebestraum in Ges mutet dieses Andantino non troppo lento im wiegenden 6/8-Takt an, in dem Anna Brull (als stimmlich wie darstellerisch exquisite Königin von Karthago) und Iurie Ciobanu (als glaubhaft mit sich und den Umständen ringender trojanischer Krieger) innig...
Gegen Ende findet Oronte doch noch sein Glück, Gyula Rab singt vom «momento di contento». Das macht er sehr schön, allerdings ist der Gute etwas abgelenkt, er wäscht dabei nämlich sein Auto, das von der Unterbühne nach oben gelangte. Ob also das Glück, das er nun empfindet, tatsächlich von dem Wiederfinden der Liebe zu Morgana herrührt, darüber kann man zweifeln,...
