Spiel mir das Lied vom Leben
Becketts Figuren sind ausnahmslos erschöpft und ausgelaugt Wartende, im Grunde ähneln sie den Figuren Tschechows. Der Unterschied liegt in der Perspektive. Während Tschechows Figuren auf etwas warten, das in der Zukunft liegt (aber nie erscheinen wird), warten Becketts Figuren nur noch auf das Ende. Sie haben jede Hoffnung, es würde sich in ihrem Leben noch etwas zum Guten, Richtigen, Schönen ändern, längst fahren lassen. Nur eines wollen und können sie noch: Sie wollen und sie können spielen. So wie beispielsweise Winnie, die 50-jährige Frau aus «Glückliche Tage».
Bis über die Taille hinaus steckt sie in einem Erdhügel, neben sich, auf dem Boden, einen schwarzen Ledersack als Einkaufstasche sowie einen zusammengeklappten Sonnenschirm. Diese «Accessoires» sehen wir nun, verteilt um den Souffleurkasten, in der Berliner Staatsoper, und auch Winnie gibt es, aber sie scheint irgendwie ins falsche Stück geraten zu sein. Gespielt wird ja augenscheinlich «Fin de partie», nicht «Glückliche Tage», und Winnie ist, wenngleich sie das Handicap der eingeschränkten Bewegungsfreiheit mit Nell teilt, an diesem Abend auch nicht Winnie, sondern die Darstellerin von Naggs Ehefrau; für sie hat György ...
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Opernwelt März 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Jürgen Otten
Vorn, am linken Bühnenrand, liegt, schlafend, das Tier. Ein Kojote. Der aber zum Glück kein echter Kojote ist – die wolfsähnlichen Steppenwölfe gelten als gefährlich. Dieser ist erstens nicht echt, sondern ein Mensch in Glitzerkleidung mit hochhackigen Schuhen und als Kojote maskiert (der Choreograph des Abends, Ivan Estegneev), er ist zweitens auch ein Freund der...
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Multitalent
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