Spiel mir das Lied vom Leben

Johannes Erath weitet an der Berliner Staatsoper den Gedankenraum in Kurtágs «Fin de partie», Alexander Soddy betont das Aphoristische der Partitur

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Becketts Figuren sind ausnahmslos erschöpft und ausgelaugt Wartende, im Grunde ähneln sie den Figuren Tschechows. Der Unterschied liegt in der Perspektive. Während Tschechows Figuren auf etwas warten, das in der Zukunft liegt (aber nie erscheinen wird), warten Becketts Figuren nur noch auf das Ende. Sie haben jede Hoffnung, es würde sich in ihrem Leben noch etwas zum Guten, Richtigen, Schönen ändern, längst fahren lassen. Nur eines wollen und können sie noch: Sie wollen und sie können spielen. So wie beispielsweise Winnie, die 50-jährige Frau aus «Glückliche Tage».

Bis über die Taille hinaus steckt sie in einem Erdhügel, neben sich, auf dem Boden, einen schwarzen Ledersack als Einkaufstasche sowie einen zusammengeklappten Sonnenschirm. Diese «Accessoires» sehen wir nun, verteilt um den Souffleurkasten, in der Berliner Staatsoper, und auch Winnie gibt es, aber sie scheint irgendwie ins falsche Stück geraten zu sein. Gespielt wird ja augenscheinlich «Fin de partie», nicht «Glückliche Tage», und Winnie ist, wenngleich sie das Handicap der eingeschränkten Bewegungsfreiheit mit Nell teilt, an diesem Abend auch nicht Winnie, sondern die Darstellerin von Naggs Ehefrau; für sie hat György ...

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Opernwelt März 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Jürgen Otten

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