Ausgetrocknet
Die Sängerinnen und Sänger des Staatstheaters Karlsruhe verbeugen sich beseelt lächelnd nach der im Mai live gestreamten Premiere von Giacomo Puccinis «Gianni Schicchi» in Richtung Kameras. Ansonsten bleibt es still. Das Publikum ist abwesend. Wenn die Oper keine einseitig kommunizierende Röhre ist, dann war die zu Ende gegangene Spielzeit eine katastrophale, die nicht stattgefunden hat. Das «Kraftwerk der Gefühle» hat zwar Strom produziert, da man vielerorts nicht untätig blieb, aber die Energie pumpte lediglich Wasser in Speicherreservoirs.
Ob es von dort wieder herausströmen wird, um erneut Strom zu erzeugen, wird sich noch zeigen.
Die Austrocknung ist auf beiden Seiten schmerzhaft fühlbar, auf der der Produzierenden und auf der der Rezipierenden. Pandemiebedingt ist ein Klimawandel auch in der Opernwelt erfahrbar. Die Schritte der Bewältigung sind in dieser künstlichen Welt so erkennbar wie in der natürlichen. Doch bleiben sie hier wie dort von einer gewissen Hilf- und Ratlosigkeit geprägt. Vor spärlich besetztem Publikum oder gar keinem werden Vorstellungen online vermittelt. Oft sind es die altbewährten Stücke, die jene Publikumsströme generierten, die nun aber gar nicht ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 114
von Bernd Künzig («SWR», Baden-Baden)
Träumer waren sie, auf die eine und andere Art, beide. Doch nicht im naiven oder sentimentalischen Sinne. Ihre Ausflüge in die Welt des Un(ter)bewussten gingen darüber weit hinaus, sie trugen das Gepräge des Existenziellen, weil ihr Ziel darin bestand, die tiefere Bedeutung der Traumwelt zu erkunden. Dies vor allem sowie die große Lust, die Sphäre der Realität...
Der unbeugsame Wille zur Macht wird ihm zum Verhängnis. Schon bei Shakespeare. Und ebenso in Giuseppe Verdis Vertonung, einem der dunkelsten Stücke aus der Feder des italianischen Komponisten. Macbeth wird letzlich Opfer seiner (Macht-)Fantasien. Wenn man Luca Salsi an der Wiener Staatsoper erlebt hat, weiß man, wie nahe er dem Irrsinn dabei kommt. Salsi entpuppt...
Frühling 2019: Die nächste Spielzeit der Pariser Oper wird bekanntgegeben. Auf dem Programm steht ein neuer, von Calixto Bieito inszenierter «Ring», als Abschiedsgeschenk für Musikdirektor Philippe Jordan, der genauso wie Intendant Stéphane Lissner 2021 aus dem Amt scheidet. «Rheingold» und «Walküre» sollen im Frühling 2020 erklingen, «Siegfried» und...
