Aus eigener Kraft
Eine Woche Vorlauf brauche er. Doch dann habe er «17 Varianten von zur Verfügung stehenden Produktionen». Sprach der Chef Anfang April, als das Gärtnerplatztheater noch im Zwangsschlaf darniederlag. Ganz so viel sind es nicht geworden, aber 70 Termine vor anfangs 50, dann 100, schließlich 200 Zuhörern, damit kann Josef E. Köpplinger sich und seinem Team auf die Schulter klopfen. Es war eine wochenlange Feier des Ensembletheaters, mit der man sich aus dem Lockdown tastete.
Münchens Volksoper steht hier stellvertretend für viele Häuser, die auf eigene Kräfte, eigene Ideen und eigenes Improvisationstalent vertrauten; Stuttgart war ein weiteres leuchtendes Beispiel.
Kein Mensch macht anderen Unternehmen einen Vorwurf, dass sie sich mit Stars auch zu Corona-Zeiten Ruhm leihen und erkaufen. Aber es fiel schon auf, dass Wiesbaden Wagner mit Promi-Gästen zu Klavierbegleitung offerierte oder die Bayerische Staatsoper ihre Haushelden Jonas Kaufmann und Christian Gerhaher für die gestreamten «Montagskonzerte» gleich mehrfach verpflichteten. Solche Möglichkeiten hat man am Gärtnerplatz nicht – und, das zeigte das Saisonfinale: Man braucht sie auch gar nicht.
Nicht alles glückte ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Markus Thiel
Sehnsüchtig blickt Catherine Malfitano zurück auf ihre Zeiten als Primadonna. Damals, anno 1992, drehte die amerikanische Sopranistin an den drei römischen Originalschauplätzen der «Tosca» an der Seite eines schwärmerischen Plácido Domingo jene Verfilmung des Puccini-Schockers, die den Realismus des Verismo im historischen Ambiente einzufangen suchte. In Aix...
Ganz allein sitzt er da. Einen Tisch, ein Glas Wasser, ein paar fliegende Notizen, den Laptop (sein elektronisches Archiv), eine Leinwand über dem Kopf – mehr braucht Alexander Kluge nicht, um in dem noch abgedunkelten «Elektra»-Raum ein komplettes Zentennium in Schwingung zu versetzen. Ach was, Millennien durchmisst er binnen einer guten Stunde – und die kosmische...
Sie könnte die musikalische Gattung der Stunde sein. Weil sie den Menschen in nicht gerade einfachen Zeiten ein bisschen Ablenkung verschaffte, im besten Fall Unterhaltung auf hohem Niveau. Und weil sie immer flexibel auf die jeweiligen Gegebenheiten zu reagieren, sich ihnen anzupassen wusste. Diese Flexibilität zeichneten die Operette und ihre Macher von jeher...
