Zugespitzt, feingeschliffen
Sie könnte die musikalische Gattung der Stunde sein. Weil sie den Menschen in nicht gerade einfachen Zeiten ein bisschen Ablenkung verschaffte, im besten Fall Unterhaltung auf hohem Niveau. Und weil sie immer flexibel auf die jeweiligen Gegebenheiten zu reagieren, sich ihnen anzupassen wusste. Diese Flexibilität zeichneten die Operette und ihre Macher von jeher aus.
Ohne diese Tugenden wäre im Corona-Sommer 2020 eine Aufführung von Franz Lehárs 1920 im Theater an der Wien uraufgeführter «Blauer Mazur» nicht möglich gewesen.
Michael Lakner, Intendant der Bühne Baden, hat um diese Wiederentdeckung gekämpft. Während andere Operettenfestivals in Österreich vor dem Virus kapitulierten, erarbeitete Lakner eine Version des weitgehend vergessenen Stücks, die mit den Ende Juli, Anfang August in der Alpenrepublik geltenden Anti-Covid-19-Vorgaben vereinbar war: kein Chor, kein Ballett, keine Pause und eine für die Sommerarena im Kurpark der Stadt am Wienerwald deutlich reduzierte Zuschauerzahl.
Schade nur, dass «Die blaue Mazur» so auch 100 Jahre nach ihrer erfolgreichen Premiere wohl nicht die Beachtung erhält, die sie verdiente. Markiert sie doch eine wichtige Zäsur in Lehárs Schaffen – ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Alexander Dick
Zum Auftakt möchte ich den Soziologen Bruno Latour zitieren mit einem Statement, das er im März 2020 veröffentlicht hatte: «Wir müssen gerade jetzt dafür kämpfen, dass die wirtschaftliche Erholung nach der Krise das alte Klimaregime nicht wiederherstellt, gegen das wir bisher vergeblich gekämpft haben. Die Gesundheitskrise ist in etwas eingebettet, das keine Krise...
Diese Übersicht bietet eine Auswahl der bei Redaktionsschluss angekündigten Musiktheaterpremieren der Monate September/Oktober 2020. Alle Angaben ohne Gewähr! Informationen zu Wiederaufnahmen und Repertoirevorstellungen finden Sie auf den Websites der Häuser. Eine Liste mit Kontaktdaten gibt es online unter diesem Link:
www.der-theaterverlag.de/serviceseiten/theat...
Das ist großsprecherisch, prahlerisch, Italien und die Gascogne in einem, und: es ist wahr!» Das schrieb Hector Berlioz 1855 anlässlich der ihm vom jungen Hans von Bülow und von Liszt abverlangten Revision seines «Benvenuto Cellini» von 1838 für dessen Weimarer Revival in den 1850er-Jahren. Er hatte bei der Uraufführung alle überfordert, die Ausführenden ebenso wie...
