Alles im Fluss
Sehnsüchtig blickt Catherine Malfitano zurück auf ihre Zeiten als Primadonna. Damals, anno 1992, drehte die amerikanische Sopranistin an den drei römischen Originalschauplätzen der «Tosca» an der Seite eines schwärmerischen Plácido Domingo jene Verfilmung des Puccini-Schockers, die den Realismus des Verismo im historischen Ambiente einzufangen suchte.
In Aix strickte Christophe Honoré daraus im Sommer 2019 sein Regiekonzept und erzählt die persönliche Geschichte einer alternden Operndiva, die nachdenkt über das Vergängliche des Künstlerseins, über die Melancholie des Abschiednehmens, über die Bedeutung der Kunst als erlösende Religion. Malfitano blättert tränenreich im Bilderbuch der eigenen Karriere – und möchte dennoch den Zauber des Musiktheaters weitergeben an die nächste Generation: Honoré lässt die Ex-Tosca das Stück bei sich zu Hause mit jungen Sängern nachspielen. «Vissi d’arte», die im historischen Perfekt des «Es war einmal» formulierte Widmung des eigenen Lebens an die Kunst, wird so nicht zuletzt zur Zukunftsfrage an die Kunstform transformiert: Will Oper das noch, kann Oper das noch verlangen und leisten?
Wie visionär Pierre Audi als neuer Intendant des Festival d’Aix ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Peter Krause
Man muss nicht gleich die Labyrinthe der Hegel’schen Dialektik bemühen, um zu erfahren, dass Gegensätze, ja Widersprüche, sich keineswegs ausschließen. Zwei Beispiele: Der Pianist Friedrich Gulda, als Exponent eines «modernen», motorisch-energetischen Beethoven-Stils ebenso gefeiert wie als engagierter Jazzmusiker mit Misstrauen bedacht, nannte als Vorbilder...
Wie alle freischaffenden Musiker bin auch ich durch den Corona-Ausnahmezustand heftig mit meinem Beruf als Sängerin zeitgenössischer Musik konfrontiert worden. Bisher habe ich ihn immer als Berufung empfunden. Ungeliebte Lücken im Kalender gab es ja schon öfter, aber ein Berufsverbot auf unbestimmte Zeit war nie einkalkuliert.
Aus voller Fahrt ausgebremst, stellte...
Ganz allein sitzt er da. Einen Tisch, ein Glas Wasser, ein paar fliegende Notizen, den Laptop (sein elektronisches Archiv), eine Leinwand über dem Kopf – mehr braucht Alexander Kluge nicht, um in dem noch abgedunkelten «Elektra»-Raum ein komplettes Zentennium in Schwingung zu versetzen. Ach was, Millennien durchmisst er binnen einer guten Stunde – und die kosmische...
