Alles im Fluss
Sehnsüchtig blickt Catherine Malfitano zurück auf ihre Zeiten als Primadonna. Damals, anno 1992, drehte die amerikanische Sopranistin an den drei römischen Originalschauplätzen der «Tosca» an der Seite eines schwärmerischen Plácido Domingo jene Verfilmung des Puccini-Schockers, die den Realismus des Verismo im historischen Ambiente einzufangen suchte.
In Aix strickte Christophe Honoré daraus im Sommer 2019 sein Regiekonzept und erzählt die persönliche Geschichte einer alternden Operndiva, die nachdenkt über das Vergängliche des Künstlerseins, über die Melancholie des Abschiednehmens, über die Bedeutung der Kunst als erlösende Religion. Malfitano blättert tränenreich im Bilderbuch der eigenen Karriere – und möchte dennoch den Zauber des Musiktheaters weitergeben an die nächste Generation: Honoré lässt die Ex-Tosca das Stück bei sich zu Hause mit jungen Sängern nachspielen. «Vissi d’arte», die im historischen Perfekt des «Es war einmal» formulierte Widmung des eigenen Lebens an die Kunst, wird so nicht zuletzt zur Zukunftsfrage an die Kunstform transformiert: Will Oper das noch, kann Oper das noch verlangen und leisten?
Wie visionär Pierre Audi als neuer Intendant des Festival d’Aix ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Peter Krause
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Musikalischen Bildern der Verrücktheit und des Wahnsinns hat die französische Mezzosopranistin Stéphanie d’Oustrac ihr neues Album gewidmet. Das Außer-sich-Sein und die Liebe liegen in der Kunst wie im Leben nahe beieinander. In einer von La Fontaines Fabeln wird die personifizierte Tollheit, die ihrem Pendant, l’amour, im Streit das Augenlicht geraubt hat, von den...
