Aus dem Leben gegriffen

Endlich wieder als CD verfügbar: ­Jérôme Correas und Les Paladins setzen sich für Cavallis «L’Ormindo» ein

Opernwelt - Logo

Mehr als vierzig Opern hat Francesco Cavalli zwischen 1639 und 1673 geschrieben. Er zählte zu den meistaufgeführten Komponis­ten seiner Zeit. Mit dem Aufkommen der Gesangsoper und des Kultes um die Virtuosenarie verblasste Cavallis Ruhm. Seine noch am Deklamationsstil Monteverdis orientierten Bühnenwerke gerieten gründlich in Vergessenheit – für drei Jahrhunderte.

Erst der englische Dirigent Raymond Lep­pard setzte Cavalli wieder auf die Opernkarte: 1967 brachte er in Glyndebourne «L’Ormindo» (1644) heraus – in einer zweiaktigen, üppig instrumentierten Bearbeitung der skizzenhaft überlieferten Partitur. Auch wenn Lep­pards Einrichtung stilistisch heute obsolet erscheinen mag, so war der Glyndebourner «Ormindo» doch Ausgangspunkt für die anhaltende Cavalli-Renaissance.
Längst werden die drammi per musica des Monteverdi-Schülers sogar in Stadttheatern und auf Hochschulbühnen gespielt, die Reize von Cavallis Musik – ihr tänzerischer Schwung, ihre essenzielle Klarheit – haben sich weit herumgesprochen. Entscheidende Impulse erhielt die neuere Cavalli-Rezeption von René Jacobs: Seine in Zusammenarbeit mit Herbert Wernicke entwickelte Deutung von «La Calisto» (Brüssel 1993, Berlin 1996) ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2007
Rubrik: CDs, Seite 54
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Zu neuen Taten – mit alten Problemen

Sommersaison im Schlosstheater Drottningholm: ein Ausflug in vergangene Theaterzeiten, für viele Opernfreunde geradezu ein Pilgerweg. Nicht erst Ingmar Bergmans «Zauberflöten»-Film von 1975, für den der Regisseur die Dekorationen des barocken Theaters von 1766 en detail nachbauen ließ, verhalf dem Schlosstheater zu weltweiter Berühmtheit. Kulissen und...

Meisterwerk der Grand Opéra

Gaetano Donizetti hielt den 1843 für die Pariser Opéra geschriebenen «Dom Sébastien» für sein «lavoro capitale» und war sehr enttäuscht, dass die Mehrzahl der Kritiker diese Auffassung nicht teilte. Später erarbeitete er für Aufführungen in Wien eine italienische Version der Oper, nach seinem Tode gab es noch diverse Produktionen in verstümmelten oder willkürlich...

Die Rache der Meisterin

In der Operette «Wiener Blut», deren Musik nach Stücken von Johann Strauß zusammengeschustert wurde, geht es um das, was der Titel verspricht: «Wie­nerblut, eigner Saft, voller Kraft, voller Glut». Damit richtig deutlich werden kann, was damit gemeint ist, bedarf es eines Kontrastes, eines Blutes gewissermaßen, das ganz und gar nicht wienerisch ist und in Wien...