Aufwühlend
Wir befinden uns im Jahr 2018 nach Christus. Fast alle erfolgreichen Opern des 20. Jahrhunderts wurden ausgegraben und aufgeführt, selbst die mittelmäßig erfolgreichen. Ein unbeugsames Werk aber schlummerte bis dato unberührt in den Archiven. Doch nun, nach einer konzertanten Aufführung kürzlich in Berlin, hat die Oper Bonn Hermann Wolfgang von Waltershausens «Oberst Chabert» auf die Bühne gebracht – und mit dieser Wiederbelebung einen veritablen Erfolg verbucht.
Im Anschluss an die Uraufführung 1912 war der knapp zweistündige Dreiakter ein internationaler Hit.
In New York, London, Stockholm, Wien, Berlin, überall lief das Bühnenwerk über einen für tot gehaltenen Kriegsheimkehrer nach einem Roman von Honoré de Balzac. Nach dem Ersten Weltkrieg ging der Siegeszug weiter, über 100 Neuinszenierungen gab es bis 1933. Waltershausen war zu dieser Zeit Professor an der Münchner Akademie der Tonkunst. Es ist klar, dass die Nationalsozialisten nichts anfangen konnten mit einer Oper, die ihre Vorstellungen von Heldentum konsequent unterlief. Mehr noch: Waltershausen wurde in den Ruhestand geschickt, auch seine Werke verschwanden. Der Grund verdient höchsten Respekt: Bei einem privaten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Eigentlich sollte die «Kacke», wie eine Presseagentur mit Feinsinn anmerkte, im nächsten Jahr so richtig «am Dampfen» sein. Denn dann wollte der amerikanische Rauschebart und Universalkünstler Paul McCarthy, bekannt durch seine Kapitalismuskritik sowie unter anderem durch seine (kapitalistisch grundierten) Pimmel- und Fäkal-Exzesse, den hippen Schwerpunkt für die...
Schönes Foto. Es zeigt, schwarz-weiß in der einen, gelb durchstochen in der anderen Diagonale, die Büste eines Mädchens: etwa zwölf Jahre alt, Lockenkopf mit Seitenscheitel, Sommerkleid, ein hübsches Schleifchen im Haar, Blumen in der Hand, vorwiegend Rosen in verschiedenen Farben. Aber auch Lilien. Was noch stärker irritiert, ist der Blick des Mädchens. Er ist...
Die Idee, bildende Künstler mit dem «Parsifal» in Verbindung zu bringen, ist so alt wie das Stück selbst. Richard Wagner wünschte sich Arnold Böcklin als Ausstatter der Uraufführung. Böcklin besuchte die Familie Wagner 1880 in Neapel. Eine Zusammenarbeit scheiterte letztlich daran, dass der Maler wenig von einer Verschmelzung der Künste hielt. Viel später hat...
