Zum Tod des Baritons Barry McDaniel
Er war ein Romantiker reinsten Wassers. Schon früh hatte Barry McDaniel seine künstlerische Heimat gefunden: in den Liedern von Schumann, Wolf, Brahms, vor allem aber bei Schubert. «Ich fühlte von Anfang an eine tiefe Verbundenheit und eine Seelenverwandtschaft», bekannte er im Begleitheft zur «Winterreise», die er 1972 mit Aribert Reimann in London aufgenommen hatte, die aber erst 2004 von «Opernwelt» auf CD zugänglich gemacht wurde. Und: «Eine Karriere nur mit Operngesang [...] wäre unvorstellbar für mich.
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Diese lyrische Grundierung bewahrte sich der 1930 in Kansas geborene Bariton auch während der 37 Jahre, die er dem Ensemble der Deutschen Oper Berlin angehörte. Dort debütierte er 1962 als junger Dichter in Strauss’ «Capriccio» und erarbeitete sich ein Repertoire, das von Cavalli über Gluck, Mozart, Rossini und Wagner bis zu Henze («Der junge Lord»), Reimann («Melusine») und Isang Yun («Der Traum des Liu-Tung») reichte. Zu McDaniels vokalem Profil gehörte nicht zuletzt eine (in Deutschland damals keineswegs selbstverständliche) Vorliebe für die französische Mélodie. Kein Wunder, dass er 1963 an seinem Stammhaus (gemeinsam mit Hilde Güden) in Debussys «Pelléas et Mélisande» Furore machte. Am 18. Juni ist Barry McDaniel nach langer Krankheit in seiner Berliner Wahlheimat gestorben.
Vom «Ende einer Ära» ist mehr oder weniger reflexhaft die Rede beim Tod einer epochalen Figur. Doch im Fall nicht weniger Musiker aus der Sowjetunion hat die Formel ihren Sinn. Brachte doch die Oktoberrevolution tatsächlich einen enormen Aufbruch in vielerlei Hinsicht; man denke nur an den Stummfilm, vor allem Eisensteins. Und in der Musik fand eine immer wieder erstaunliche Fusion von...
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