Aufrichtig und edel
Das Schlagwort vom Gender-Mainstreaming geht heftig um, seit es vor mehr als zwei Jahrzehnten bei der UN-Weltfrauenkonferenz erstmals auf der Tagesordnung stand. Und 140 Lehrstühle für Gender-Fragen gibt es allein in Deutschland. Da werden sich manche fragen, ob es denn noch (gender-)gerecht sei, wenn ein Mann einen Bereich annektiert, der a priori eindeutig einer Frau zugewiesen war.
Die Rede ist von Richard Wagners unmissverständlich der geliebten Zürcher Seelenfreundin Mathilde Wesendonck gewidmeten, von ihr getexteten und im Gestus durchaus als «sehr weiblich» zu bezeichnendem Zyklus. Und davon, dass der Bass Günther Groissböck – Bayreuths Wotan ab dem übernächsten Jahr –, dessen Stimme ein Klang gewordenes Manifest ultimativer Männlichkeit ist, sich die fünf Lieder in seinem neuen Recital einzuverleiben sucht.
Im Booklet rechtfertigt Groissböck sich: Er habe nirgendwo im Text eine verbindliche Geschlechtszugehörigkeit entdeckt, vielmehr hätte die Klangsprache der Wesendonck-Lieder ihn immer schon fasziniert, da sie der «Tristan»-Welt so nahe sei. Warum also nicht, zumal Groissböck längst auch als König Marke auf den Weltbühnen an der Unendlichkeit jener «Tristan»-Musik ...
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Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 40
von Gerhard Persché
JUBILARE
Die österreichische Mezzosopranistin Erika Wien studierte an der Wiener Musikhochschule bei Hans Duhan, Josef Witt, Wolfgang Steinbrück und Erik Werba. 1952 debütierte sie an der Wiener Volksoper, wechselte ein Jahr später ans Bremer Theater (1953-59) und anschließend an die Deutsche Oper am Rhein (1959-64). Von 1964-80 wurde das Opernhaus Zürich zu...
Aix
Die Anziehungskraft der sommerlichen Festspiele in Aix-en-Provence ist ungebrochen. Rund 85 000 Besucher werden inzwischen pro Saison gezählt. Das Interesse gilt nicht nur den Opernaufführungen, sondern auch öffentlichen Proben oder den Konzerten der seit 20 Jahren bestehenden Akademie für den künstlerischen Nachwuchs. Und dem Genius loci sowieso – jenem...
Als den «eigentlichen Begründer des Kunstlieds in Frankreich» hat Maurice Ravel einmal Charles Gounod bezeichnet. «Reclams Liedführer» hakt ihn in einem Halbsatz ab – Grund genug also, die neueste CD zu begrüßen, die der Bariton Tassis Christoyannis jetzt in Zusammenarbeit mit der Fondation Palazzetto Bru Zane dem Liedschaffen des in Deutschland stets...
