Aufrichtig und edel
Das Schlagwort vom Gender-Mainstreaming geht heftig um, seit es vor mehr als zwei Jahrzehnten bei der UN-Weltfrauenkonferenz erstmals auf der Tagesordnung stand. Und 140 Lehrstühle für Gender-Fragen gibt es allein in Deutschland. Da werden sich manche fragen, ob es denn noch (gender-)gerecht sei, wenn ein Mann einen Bereich annektiert, der a priori eindeutig einer Frau zugewiesen war.
Die Rede ist von Richard Wagners unmissverständlich der geliebten Zürcher Seelenfreundin Mathilde Wesendonck gewidmeten, von ihr getexteten und im Gestus durchaus als «sehr weiblich» zu bezeichnendem Zyklus. Und davon, dass der Bass Günther Groissböck – Bayreuths Wotan ab dem übernächsten Jahr –, dessen Stimme ein Klang gewordenes Manifest ultimativer Männlichkeit ist, sich die fünf Lieder in seinem neuen Recital einzuverleiben sucht.
Im Booklet rechtfertigt Groissböck sich: Er habe nirgendwo im Text eine verbindliche Geschlechtszugehörigkeit entdeckt, vielmehr hätte die Klangsprache der Wesendonck-Lieder ihn immer schon fasziniert, da sie der «Tristan»-Welt so nahe sei. Warum also nicht, zumal Groissböck längst auch als König Marke auf den Weltbühnen an der Unendlichkeit jener «Tristan»-Musik ...
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Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 40
von Gerhard Persché
Von außen ähnelt das Haus eher einer Scheune als einem Theater, aber das sagten kundige Bayreuth-Besucher seinerzeit auch über das große Festspielhaus. Und jetzt eben über die Probebühne in seinem Schatten, auf der seit zehn Jahren – als beinahe einzige Erfindung Katharina Wagners, die ihre Intendanz überdauern könnte – Wagner für Kinder gezeigt wird.
Die Idee...
Plácido Domingo ist ein gläubiger Mensch, vor jedem Auftritt betet er zur Heiligen Cäcilia, Schutzpatronin der Musik. Bisher hat sich das gut bewährt, und so war es auch an jenem Tag Ende Juli, an dem Domingo – zuletzt 2000 als Siegmund zu Gast in Bayreuth – erneut bei den Wagner-Festspielen debütiert, diesmal als Dirigent der «Walküre».
Die Anzahl der Sänger,...
Es ist allemal löblich, wenn Opernfestivals wie jenes in Heidenheim an der Brenz das frühe Schaffen Giuseppe Verdis systematisch durchforsten. In diesem Jahr ergab sich gar die reizvolle Kombination von «Nabucco» (1842) und «I Lombardi alla prima crociata» (1843). Vor dem Hintergrund des Risorgimento, dem Streben nach nationaler Einheit und Unabhängigkeit Italiens,...
