Immer Wunderkind
Herrlich, diese Karikatur! Vier Komponisten (Siegfried Wagner, Max Reger, Richard Strauss, Eugen d’Albert) und ein Dirigent (Arthur Nikisch) stehen da, mehr oder minder gramgebeugt und recht ratlos, wie es scheint, um einen Flügel herum. Auf einem Stuhl davor ein Winzling, dessen zarte Füße nicht einmal im Traum an die Pedale reichen würden, dessen (bebrilltes) Gesicht aber dem eines Professor emeritus gleicht. Die Hände auf den Tasten, scheint das Wunderkind ganz und gar absorbiert, versunken in seine Welt.
1911 war das.
Soeben hatte der Kritiker (und zuvor erfolglose Komponist) Julius Korngold Werke seines zwölfjährigen Sohnes Erich Wolfgang an sage und schreibe 40 Künstlerpersönlichkeiten versandt, versehen mit der Bitte um ehrliche Einschätzung. Die Reaktionen waren zum Teil enthusiastisch; «größtes Erstaunen» (Strauss) mischte sich mit Bewunderung – und Verwunderung. Konnte es wirklich sein, dass ein Kind Schöpfer derartig differenzierter, ja ausgereift-geistreicher Kompositionen war? Zweifelnde Stimmen wurden laut; besonders laut wurden sie, weil der Erzeuger dieses Wunderknaben wegen seiner ätzenden Kritiken im Wiener Musikleben wahrlich nicht nur Freunde besaß. Und so ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Jürgen Otten
Der Düsseldorfer «Ring» nimmt mit «Siegfried» nun doch noch richtig Fahrt auf. Regisseur Dietrich W. Hilsdorf, der lange mit Wagner fremdelte, scheint seinen Widerstand gegen das «Gift der Musik» – das er noch vor dem «Rheingold» beklagte (und mit der Lektüre der Zeitgenossen Börne und Zola in seiner Wirkung zu mildern versuchte), aufgegeben zu haben. Schon «Das...
59. Jahrgang, Nr 6
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Andrea Kaiser...
Gilbert-Louis Duprez auf der Bühne – als Arnold in Gioacchino Rossinis «Guillaume Tell». Gleich muss das berühmte «do di petto» kommen, das mit voller Brust geschmetterte hohe C, das das Publikum zur Raserei und Rossini an den Rand eines Herzinfarkts brachte. Doch es kommt nicht mehr. Vorhang. Nun hat Rossini Mitleid. Er nimmt den gescheiterten Ritter der Hochtöne...
