Auf Leben und Tod

Georg Friedrich Haas’ und Händl Klaus’ «Koma» in Klagenfurt, inszeniert von Immo Karaman, dirigiert von Bas Wiegers

Opernwelt - Logo

Gehen ohne zu verschwinden. In nächster Nähe sternenweit entfernt. Mit Händen zu greifen und doch unerreichbar. Sprachloser Schwebe ausgeliefert, gefangen zwischen Leben und Tod. So lange der Körper versorgt wird, das Blut pulsiert wie vorher. Vor dem alles entscheidenden Moment, als das Bewusstsein versank in tiefe Nacht. Und mit ihm die Fähigkeit, Kontakt zu halten zur Welt da draußen. Es ist ein atemraubender Zustand, die unfassbare Realität von Menschen, die in ein Wachkoma gefallen sind.

Niemand weiß, was Auge und Ohr, Nase, Zunge oder Haut dieser Menschen noch wahrnehmen, was die womöglich noch intakten Sinne der abgeschnittenen Seele senden. Eine Zumutung. Ein Ernstfall, der niemanden kalt lässt, uns alle angeht. Weil eine Frage mitschwingt, der sich ein jeder, früher oder später, zu stellen hat: Was, wenn ich selber gehen muss?

Der österreichische Komponist Friedrich Georg Haas (*1953) schlägt, seit er Musik erfindet, Funken aus dieser Nacht. Genauer: aus einer Zwischenzone, in der Licht und Dunkel sich verschränken, das Helle von Finsternis durchdrungen ist. Schon in den frühen Bühnenwerken – «Adolf Wölfli» (1981), «Nacht» (1998) – zeichnet sich ein obsessives Interesse ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Prinz, Prinzessin, Zauberin

Der Titel des Albums «L’opéra des opéras» lässt sich wohl am besten mit «Oper aus Opern» übersetzen. Benoît Dratwicki, Leiter des Centre de musique baroque de Versailles, hat für Hervé Niquet und sein Ensemble Le Concert Spirituel aus nicht weniger als 24 Werken des französischen Musiktheaters zwischen Jean-Baptiste Lully («Armide», 1686) und André Cardinal...

Work in progress

Dass im Musiktheater Alt auf Neu trifft, ist wahrlich keine neue Erfindung. Ob zuletzt in Saarbrücken, bei einer Medea-Symbiose von Werken Luigi Cherubinis und Iannis Xenakis’ (siehe OW 3/2019), oder in Brüssel mit der Wiedererweckung von Frankensteins Monster durch den amerikanischen Komponisten Mark Grey (siehe Seite 37) – überall begegnen uns auf den Bühnen...

Kein Schiff

«Ein Schiff wird kommen», sang weiland Lale Andersen in Sehnsucht nach dem einen, «den ich so lieb’ wie keinen». Einen solchen erträumt sich ja auch Senta in Wagners «Fliegendem Holländer»; in Aron Stiehls Inszenierung an der Wiener Volksoper kommt er allerdings ohne Schiff, dafür quasi als Wiedergänger von Caspar David Friedrichs Wanderer. Man sieht ihn bereits...