Auf himmlischem Parkett
Der Weg in den Himmel ist steinig. Die Freuden des ewigen Lebens werden einem nicht geschenkt. Die Zeit ist knapp, um ausreichend Gutes zu tun. Weshalb sie einen gleich anmahnt, sie zu nutzen. Zudem ist der Aufstieg ins Licht gepflastert mit Versuchungen irdischen Vergnügens, Verlockungen von Macht, Reichtum und mondänem Glanz. Gäbe es da nicht den «Schutzengel», der unter dem Talmi von Gold und Glitzer Verfall und Verwesung freilegen würde.
Dann aber kann das duale Wesen von (rasch wandelbarem) Körper und (kritisch nachfragendem) Geist nicht einmal mehr die Drohung der Höllenqualen schrecken. Und ewig währt am Ende das Fest.
Die moralische Botschaft dieses Spiels von Seele und Körper, «Rappresentatione di Anima e di Corpo», ist mit Händen zu greifen. Und so, wie Robert Carsen sie zum Saisonstart am Theater an der Wien inszeniert, durchaus zeitlos. Emilio de’ Cavalieri ist der Schöpfer dieses Mysterienspiels, das, im Jahr 1600 in Rom entstanden, als «erste Oper» gehandelt wird – sieben Jahre vor der Inkunabel der Gattung, Monteverdis «L’Orfeo». Der wissenschaftliche Streit um die rechte Klassifizierung interessiert den Regisseur allerdings weniger. Auch die religiöse, also ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2021
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Karl Harb
Taiwan wirkt nicht auf den ersten Blick wie eine Oase der Oper. Doch der Schein trügt: Im vergangenen März, als die meisten Theater weltweit stillgelegt wurden, brachte das Nationale Kaohsiung Zentrum für Kunst und Kultur an der Südwestküste der Insel vier szenische Vorstellungen von Verdis «La traviata» auf die Bühne. Das schlicht-moderne Inszenierungskonzept der...
Der Anfang ist witzig. Aus einem Bühnenloch klettern Fatty und Dreieinigkeitsmoses heraus auf die schwarz glänzende, leere Fläche, doch nicht als gewöhnliche Ganoven. Jens Larsen trägt den Talar eines salbadernden protestantischen Pfarrers, Ivan Turšić gibt, sehr pointiert, einen jüdischen Rabbi. In den Händen halten sie ihre Gebetsbücher, aber nicht allzu fest....
Das Publikum war verzückt. Da war ein Werk in der Welt, das man nicht kannte, nicht kennen konnte, weil es sich in den Tiefen verstaubter Schubladen verbarg. Dank der unermüdlichen Forschungen des Kunsthistorikers Oskar Hagen wurde der Schatz gehoben, und das nur zwei Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges (in den die Deutschen anfangs mit der allergrößten...
