Sonnenschein nach dem Schneefall
Taiwan wirkt nicht auf den ersten Blick wie eine Oase der Oper. Doch der Schein trügt: Im vergangenen März, als die meisten Theater weltweit stillgelegt wurden, brachte das Nationale Kaohsiung Zentrum für Kunst und Kultur an der Südwestküste der Insel vier szenische Vorstellungen von Verdis «La traviata» auf die Bühne. Das schlicht-moderne Inszenierungskonzept der Regisseurin Shih-Ping Yang spiegelte die hohe Gesellschaft Taiwans – was durch die Anwesenheit von Gesundheitsminister Shih-chung Chen bei einem der zwei ausverkauften Abende gleichsam offiziell auch beglaubigt wurde.
Das 2018 errichtete Zentrum mit dem Spitznamen «Weiwuying» (nach dem ehemaligen Militärstützpunkt des Geländes) ist das größte seiner Art im Land. Es bietet Platz für mehr als 5.000 Menschen. Das Opernhaus ist mit 2.236 Plätzen bestuhlt, dazu kommen ein Konzertsaal, ein Schauspielhaus und ein Kammermusiksaal. Das Open-Air-Theater auf dem Gelände hat sogar eine Kapazität von 20.000 Sitzen. Eine Riesenchance also, das lokale Publikum an ein breites Spektrum von darstellenden Künsten heranzuführen.
Im Mittelpunkt des Programms von Wen-Pin Chien, der als Geschäftsführer und künstlerischer Leiter des Zentrums ...
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Opernwelt November 2021
Rubrik: Reportage, Seite 54
von Rebecca Schmid
Manchmal ist die Geschichte eines Albums fast ebenso spannend wie die Interpretation selbst. Eigentlich war dieser «Fidelio» als Livemitschnitt aus dem Dresdner Kulturpalast geplant. Corona verhinderte die konzertanten Aufführungen, zwei Monate später traf man sich trotzdem dort, sang und spielte eben vor leerem Haus für die Mikrofone. Oper als Studioproduktion,...
Herr Bernheim, wie würden Sie den Stimmtyp «französischer Tenor» beschreiben? Oder existiert so etwas gar nicht?
Ich glaube, es ist ein Klischee – oder eine Marketingmaßnahme. Wenn etwas typisch sein könnte, dann vielleicht die Farbe. Dieses Silbrige. Anders als die eher goldenen italienischen Stimmen. Man kann es auch über die Komponisten definieren: Französische...
Seit März 2020 bestimmt das Wort «eigentlich» die Bühnengegenwart. Eigentlich sollte damals in Saarbrücken der neue «Ring» in der Inszenierung, dem Bühnenbild und den Kostümen von Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka starten. Die Proben zum «Rheingold» waren weit gediehen. Was folgte, ist bekannt. Am 18. September 2022 soll nun Premiere sein. Zum Start der...
