Sonnenschein nach dem Schneefall
Taiwan wirkt nicht auf den ersten Blick wie eine Oase der Oper. Doch der Schein trügt: Im vergangenen März, als die meisten Theater weltweit stillgelegt wurden, brachte das Nationale Kaohsiung Zentrum für Kunst und Kultur an der Südwestküste der Insel vier szenische Vorstellungen von Verdis «La traviata» auf die Bühne. Das schlicht-moderne Inszenierungskonzept der Regisseurin Shih-Ping Yang spiegelte die hohe Gesellschaft Taiwans – was durch die Anwesenheit von Gesundheitsminister Shih-chung Chen bei einem der zwei ausverkauften Abende gleichsam offiziell auch beglaubigt wurde.
Das 2018 errichtete Zentrum mit dem Spitznamen «Weiwuying» (nach dem ehemaligen Militärstützpunkt des Geländes) ist das größte seiner Art im Land. Es bietet Platz für mehr als 5.000 Menschen. Das Opernhaus ist mit 2.236 Plätzen bestuhlt, dazu kommen ein Konzertsaal, ein Schauspielhaus und ein Kammermusiksaal. Das Open-Air-Theater auf dem Gelände hat sogar eine Kapazität von 20.000 Sitzen. Eine Riesenchance also, das lokale Publikum an ein breites Spektrum von darstellenden Künsten heranzuführen.
Im Mittelpunkt des Programms von Wen-Pin Chien, der als Geschäftsführer und künstlerischer Leiter des Zentrums ...
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Opernwelt November 2021
Rubrik: Reportage, Seite 54
von Rebecca Schmid
16 Metallbetten rahmen die Spielfläche, und 16 Küchentische. An langen Seilen pendeln 16 tuchverhangene Wiegen träge aus dem Schnürboden. 16 Uniformen warten auf ihre Träger, die sich wenig später aus den Federn schälen. Und 16 Frauen schälen Kartoffeln. In ihrer Mitte thront die alte Burya in strengschwarzem Pomp, mit einer Reitgerte fuchtelnd. Die Szene erinnert...
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