Auf Diät

Groß besetzte Werke in reduzierter Fassung hat es immer gegeben. Seit in Konzertsälen und Opern­häusern Abstandsregeln gelten, sind die Bearbeitungen so gefragt wie nie zuvor

Opernwelt - Logo

Eckhard Henscheid ätzt in «Dummdeutsch», die andauernde Verwendung der Vokabel irgendwie sei «irgendwie eine spezifische geistige Schrumpfleistung der Post-No-Future-Generation». In diesen unseren Krisenzeiten scheint sie indes allgegenwärtig. Und wenn ein prominenter Theaterleiter äußert, man müsse irgendwie über die nächsten Monate und vielleicht Jahre kommen, wird Häme zu Ungemach, ja Tragik.

Denn es ist eben nicht vom Irgendwie des Nicht-festgelegt-werden-Wollens die Rede, sondern bezieht sich konkret auf Einschränkungen im Rahmen der Pandemie, die etwa gemeinsames Spielen und Musizieren hemmen.

Wenngleich einige dieser Restriktionen zur Zeit, da dies geschrieben wird, ein wenig gelockert wurden, bleibt doch die Tatsache, dass beispielsweise Aufführungen von Opern mit umfangreichem Klangkörper angesichts der engen Verhältnisse in den meisten Orchestergräben für viele Theater unmöglich sind. Weswegen der Kammeroper in Hinkunft noch mehr Aufmerksamkeit gelten dürfte. Ohnehin erfreut sich dieses Genre aufgrund seiner Flexibilität und Offenheit großer Beliebtheit etwa in der zeitgenössischen Komponistenszene.

«Leichtfassungen» gewichtiger Werke gibt es seit vielen Jahren; schon ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Eine neue Identität

Einige Kollegen haben sich mit unmöglichen Verträgen, Dienstverhältnissen und Paragrafen beschäftigt, die uns seit Jahren das Berufsleben schwer machen und nun in der Krise auf den Kopf gefallen sind. Das war ein Hauptthema in unserer Musikerfamilie und natürlich drehen sich nach wie vor viele Gespräche bis tief in die Nacht um genau diese Themen. Doch ich muss es...

Auf Pans Spuren

Was das Horn für die deutsche Romantik, war die Flöte für die französische Musik des frühen 20. Jahrhunderts. Ihre Klänge erinnern an die Hirtenflöte des Rokoko, evozieren aber auch die Töne des antiken Pan wie orientalische Parfüms. Wenn sich die Arabesken des Instruments und das gesungene Wort vermählen, entsteht eine Überlagerung voll herber Poesie – eine...

Plurale Identität

Die Oper hat Felix Mendelssohn Bartholdy ein Leben lang beschäftigt. Schon als Kind entwarf er Szenen, die Fragment blieben, aber einen erstaunlich sicheren Umgang mit Stilspezifika des Musiktheaters zeigen. Der Plan einer Lorelei-Oper mit Emanuel Geibel war fortgeschritten und reichte bis in die letzte Lebensmonate. Das Ziel einer großen deutschen Oper hat...