Auf Diät
Eckhard Henscheid ätzt in «Dummdeutsch», die andauernde Verwendung der Vokabel irgendwie sei «irgendwie eine spezifische geistige Schrumpfleistung der Post-No-Future-Generation». In diesen unseren Krisenzeiten scheint sie indes allgegenwärtig. Und wenn ein prominenter Theaterleiter äußert, man müsse irgendwie über die nächsten Monate und vielleicht Jahre kommen, wird Häme zu Ungemach, ja Tragik.
Denn es ist eben nicht vom Irgendwie des Nicht-festgelegt-werden-Wollens die Rede, sondern bezieht sich konkret auf Einschränkungen im Rahmen der Pandemie, die etwa gemeinsames Spielen und Musizieren hemmen.
Wenngleich einige dieser Restriktionen zur Zeit, da dies geschrieben wird, ein wenig gelockert wurden, bleibt doch die Tatsache, dass beispielsweise Aufführungen von Opern mit umfangreichem Klangkörper angesichts der engen Verhältnisse in den meisten Orchestergräben für viele Theater unmöglich sind. Weswegen der Kammeroper in Hinkunft noch mehr Aufmerksamkeit gelten dürfte. Ohnehin erfreut sich dieses Genre aufgrund seiner Flexibilität und Offenheit großer Beliebtheit etwa in der zeitgenössischen Komponistenszene.
«Leichtfassungen» gewichtiger Werke gibt es seit vielen Jahren; schon ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Gerhard Persché
Vor einem Jahr war es so weit: Im Osten Georgiens präsentierte sich ein neues Musikfestival, das Tsinandali Festival. Benannt ist es nach dem Schauplatz, einem historischen Anwesen, das im frühen 19. Jahrhundert dem georgischen Dichterfürsten (und General der russischen Armee) Alexander Tschawtschawadse als Wohnsitz diente und bis heute ein renommiertes Weingut...
Was das Horn für die deutsche Romantik, war die Flöte für die französische Musik des frühen 20. Jahrhunderts. Ihre Klänge erinnern an die Hirtenflöte des Rokoko, evozieren aber auch die Töne des antiken Pan wie orientalische Parfüms. Wenn sich die Arabesken des Instruments und das gesungene Wort vermählen, entsteht eine Überlagerung voll herber Poesie – eine...
Zum Auftakt möchte ich den Soziologen Bruno Latour zitieren mit einem Statement, das er im März 2020 veröffentlicht hatte: «Wir müssen gerade jetzt dafür kämpfen, dass die wirtschaftliche Erholung nach der Krise das alte Klimaregime nicht wiederherstellt, gegen das wir bisher vergeblich gekämpft haben. Die Gesundheitskrise ist in etwas eingebettet, das keine Krise...
