Auf Pans Spuren
Was das Horn für die deutsche Romantik, war die Flöte für die französische Musik des frühen 20. Jahrhunderts. Ihre Klänge erinnern an die Hirtenflöte des Rokoko, evozieren aber auch die Töne des antiken Pan wie orientalische Parfüms. Wenn sich die Arabesken des Instruments und das gesungene Wort vermählen, entsteht eine Überlagerung voll herber Poesie – eine berückende Schwebung, wie sie für den Impressionismus charakteristisch ist.
Wer dafür ein Sensorium besitzt, wird von den Lied-Raritäten begeistert sein, die der Flötist Alexis Kossenko und die Mezzosopranistin Anna Reinhold zu einem weit gefächerten Programm zusammengetragen haben. Neben Debussy und Ravel finden sich mit André Caplet, Maurice Delage, Maurice Emmanuel, Philippe Gaubert, Georges Hüe, Jacques Ibert, Charles Koechlin und Albert Roussel Komponisten aus der zweiten und dritten Reihe, aber stets höchst origineller Musik.
Kossenko und Reinhold kommen aus der Alte-Musik-Szene. Kossenkos virtuoses, farbenreiches Spiel auf einer Louis-Lot-Flöte aus dem Jahr 1880 sowie Reinholds schlanker, stets biegsamer, tragfähiger Gesang ergänzen sich auf ideale Weise, legen die klaren Strukturen immer trennscharf offen. Reinhold ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Uwe Schweikert
Herr Cencic, was macht Ihnen mehr Angst – eine Infektion oder die Situation der Kulturszene?
Ich habe keine Angst vor einer Infektion. Wenn es einen erwischt, dann hat man halt Pech gehabt. Ich würde es natürlich nicht gern sehen, dass wir diese Ausnahmesituation bis September haben. Die Maßnahmen sind notwendig, ganz klar. An sich finde ich die Einschränkungen...
«Parsifal» ist Wagners letztes Musikdrama, dem Untertitel nach ein «Bühnenweihfestspiel». Das ominöse Wort lässt sich in heutige Sprache übertragen: Es bezeichnet die spezifische Einheit von Aufführung, Spielstätte und Handlung, auf die es Wagner ankam, und die er auf vielfältige Weise mit Ritualen durchsetzte. Zwischen «Parsifal» und den Bayreuther Festspielen...
Es glich dem «Lied überm Staub danach», rief Ingeborg Bachmann, Österreichs Zauberin des lyrischen Wortes, einer zerbrochenen Liebe nach. Gemeint war das Schauspiel «Jedermann» ihres Landsmanns Hugo von Hofmannsthal, das, zuvor in Berlin von der Kritik verrissenen, am 22. August 1920 über den Salzburger Domplatz schallte. Ein schlichtes Gastspiel aus der Hauptstadt...
