Auf Pans Spuren
Was das Horn für die deutsche Romantik, war die Flöte für die französische Musik des frühen 20. Jahrhunderts. Ihre Klänge erinnern an die Hirtenflöte des Rokoko, evozieren aber auch die Töne des antiken Pan wie orientalische Parfüms. Wenn sich die Arabesken des Instruments und das gesungene Wort vermählen, entsteht eine Überlagerung voll herber Poesie – eine berückende Schwebung, wie sie für den Impressionismus charakteristisch ist.
Wer dafür ein Sensorium besitzt, wird von den Lied-Raritäten begeistert sein, die der Flötist Alexis Kossenko und die Mezzosopranistin Anna Reinhold zu einem weit gefächerten Programm zusammengetragen haben. Neben Debussy und Ravel finden sich mit André Caplet, Maurice Delage, Maurice Emmanuel, Philippe Gaubert, Georges Hüe, Jacques Ibert, Charles Koechlin und Albert Roussel Komponisten aus der zweiten und dritten Reihe, aber stets höchst origineller Musik.
Kossenko und Reinhold kommen aus der Alte-Musik-Szene. Kossenkos virtuoses, farbenreiches Spiel auf einer Louis-Lot-Flöte aus dem Jahr 1880 sowie Reinholds schlanker, stets biegsamer, tragfähiger Gesang ergänzen sich auf ideale Weise, legen die klaren Strukturen immer trennscharf offen. Reinhold ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Uwe Schweikert
Herr Williams, Sie haben als Musiklehrer angefangen ...
Mein Vater war Geschäftsmann. Profi-Musiker kamen in unserer Welt nicht vor. Natürlich hörte ich sie im Radio oder sah sie im Fernsehen, aber ich ging davon aus, dass sie das zum Spaß machen – denn was könnte Musik anderes sein?
Dabei waren Sie doch selbst, wie fast alle Sänger in Großbritannien, schon im...
Man mag es immer noch nicht glauben: Seit Herbst 2019 sind die Skizzen und Entwürfe aus Giuseppe Verdis Nachlass im Staatsarchiv von Parma zugänglich. Zwar bleiben die von der römischen Regierung in einer überraschenden Aktion im Frühjahr 2017 sichergestellten Originale im Tresor. Doch wer vor dem Corona-Shutdown nach Parma gekommen war, konnte am Bildschirm Scans...
Gänzlich unvorbereitet traf uns Corona, und Einschränkungen von zuvor nicht vorstellbarem Ausmaß prägten den weiteren Verlauf der Spielzeit. Krisen dieser Art kannten wir natürlich – aus Fernsehberichten, denn Pandemien treffen ja grundsätzlich andere Regionen. Politik und Wissenschaft entwickelten Szenarien für das Gesundheitswesen, für Schulen und Kitas, den...
